„Da haben wir es.
Eine gekaufte Zeugin.“
Dr.
Weiss ließ ihn ausreden.
„Ich nahm den Scheck“, wiederholte sie, „und übergab ihn noch am selben Tag der Staatsanwaltschaft.
Auf deren Anweisung hielt ich mich zurück, bis genügend Beweise gesichert waren.
Die damalige Untersuchung wurde jedoch eingestellt, nachdem Frau Mitchell ihre Aussage widerrufen hatte.“
Alle Blicke wanderten zu mir.
Die Richterin fragte: „Warum haben Sie widerrufen?“
Meine Hände lagen noch immer auf dem Tisch.
Früher hatten sie gezittert, sobald jemand diese Frage stellte.
Nun nicht mehr.
„Weil Jason mir am Morgen nach der Operation ein Video zeigte“, sagte ich.
„Darauf war mein jüngerer Bruder vor seiner Universität zu sehen.
Jason sagte, Unfälle könnten jeden treffen.
Danach legte er mir eine Erklärung hin, in der stand, ich hätte mich in einem psychischen Ausnahmezustand selbst verletzt.“
Mein Bruder saß in der zweiten Reihe.
Er senkte kurz den Kopf.
Erst vor sechs Monaten hatte ich ihm die Wahrheit erzählt.
„Und Sie unterschrieben?“, fragte die Richterin.
„Ja.“
Jason hob beide Hände.
„Sie gibt es zu.
Sie hat freiwillig unterschrieben.“
Daniel drehte sich zu ihm.
„Frau Mitchell lag nach einer mehrstündigen Operation unter starken Schmerzmitteln.
Beide Hände waren bandagiert.
Der Krankenhausbericht dokumentiert, dass sie für mindestens vier Tage keinen Stift halten konnte.“
Er holte eine weitere Akte hervor.
Darin lag die angebliche Erklärung.
Meine Unterschrift stand sauber und gleichmäßig unter einem maschinengeschriebenen Text.
Zu sauber.
„Herr Mitchell hat dieses Dokument gestern als Beweis für die psychische Instabilität seiner Frau eingereicht“, sagte Daniel.
„Wir haben es untersuchen lassen.“
Die Gerichtsdienerin trat mit einem versiegelten Kunststoffbeutel vor.
Darin befand sich das Original.
Unter der Dokumentenkamera wurde die Unterschrift vergrößert.
Neben dem letzten Buchstaben war ein schwacher, ovaler Abdruck zu erkennen.
„Das kriminaltechnische Labor hat eine verwertbare Teilspur gefunden“, sagte Daniel.
„Sie stammt nicht von Frau Mitchell.“
Jason sah zu Madison.
Es geschah so schnell, dass kaum jemand reagieren konnte.
Er griff nach ihrem Handgelenk und zog sie näher.
„Du hast mir gesagt, du hättest alles vernichtet.“
Madison riss sich los.
„Ich habe nur getan, was du verlangt hast.“
Der Satz war kaum ausgesprochen, da schloss sie die Augen, als wollte sie ihn zurückholen.
Daniel tat nichts.
Er musste nichts tun.
Die Richterin hatte jedes Wort gehört.
„Was genau hat Herr Mitchell von Ihnen verlangt?“, fragte sie.
Madison schaute zu Jasons Anwalt.
Der Mann wich ihrem Blick aus.
Jason beugte sich zu ihr.
„Sag kein Wort.“ „Herr Mitchell“, sagte die Richterin scharf, „Sie werden die Zeugin nicht beeinflussen.“
„Sie ist keine Zeugin.