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Seine Geliebte sah die Narben – dann öffnete die Richterin die geheime Akte / Chapter 2 / 8

Chapter 2 — Seine Geliebte sah die Narben – dann öffnete die Richterin die geheime Akte

4.9Editorial score

„Erinnern Sie sich an die Nacht des 14.

November vor acht Jahren?“

„Sehr genau.“

„Warum?“

Dr.

Weiss blickte zu mir.

Nicht mitleidig.

Nicht neugierig.

Nur mit jener sachlichen Wärme, die mir damals geholfen hatte, nicht völlig auseinanderzubrechen.

„Frau Mitchell wurde gegen zwei Uhr morgens in die private Notaufnahme des St.-Anne-Krankenhauses gebracht.

Sie hatte mehrere tiefe Schnittverletzungen, zwei gebrochene Rippen, eine ausgekugelte Schulter und Anzeichen einer inneren Blutung.“

Madison hielt den Atem an.

Jason sah auf den Tisch.

„Was sagte Herr Mitchell über die Ursache der Verletzungen?“

„Er behauptete, seine Frau sei eine Treppe hinuntergestürzt und durch eine Glastür gefallen.“

„War diese Erklärung mit dem Verletzungsmuster vereinbar?“

„Nein.“

Dieses eine Wort lag wie ein Stein im Raum.

Dr.

Weiss erklärte, dass die Schnitte unterschiedliche Richtungen und Tiefen hatten.

Einige waren entstanden, als ich versucht hatte, meine Arme schützend vor den Körper zu halten.

Die Rippenbrüche lagen an Stellen, die nicht zu einem einfachen Sturz passten.

An meinem linken Handgelenk hatte sich ein klarer Abdruck abgezeichnet.

„Von einer Hand?“, fragte Daniel.

„Ja.“

„Wurde das dokumentiert?“

„Ich fertigte Fotografien an und diktierte einen ausführlichen Bericht.“

Daniel deutete auf den versiegelten Umschlag.

„Ist das der Bericht, den Sie damals geschrieben haben?“

Dr.

Weiss betrachtete die Seiten.

„Das ist eine beglaubigte Kopie.

Mein Original verschwand am nächsten Morgen aus dem Krankenhaussystem.“

Jasons Anwalt erhob Einspruch.

Daniel legte daraufhin eine technische Auswertung vor.

Sie zeigte, dass der Bericht mit einem Administratorzugang gelöscht worden war, der zu einer externen IT-Firma gehörte.

Diese Firma erhielt wenige Stunden später eine Zahlung von Mitchell Medical Technologies.

Der Verwendungszweck lautete: Systemwartung.

Jason lachte kurz auf.

Es klang trocken und gezwungen.

„Unsere Firma spendete damals an das Krankenhaus.

Natürlich gab es Zahlungen.“

„Nicht an das Krankenhaus“, sagte Daniel.

„An den privaten Dienstleister, der die Datei gelöscht hat.“

Er wechselte die Anzeige auf dem Bildschirm.

Eine Überweisung erschien.

Dann eine zweite.

Dann eine dritte.

Die dritte Zahlung war an Dr.

Weiss gegangen.

Madison drehte sich abrupt zur Zeugin.

„Sie wurden bezahlt?“

Dr.

Weiss nickte.

„Herr Mitchell bot mir Geld für mein Schweigen an.

Ich nahm den Scheck.“ Jason lächelte zum ersten Mal wieder.