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Die Akte, für die Ninas Vater sterben musste / Chapter 5 / 7

Chapter 5 — Die Akte, für die Ninas Vater sterben musste

4.9Editorial score

„Michael war naiv.“

„Nein.

Er war der Einzige von uns, der noch glaubte, Wahrheit müsse etwas kosten dürfen.“

Reeves schlug Anthony zur Seite, doch Vargas legte ihm Handschellen an.

„Daniel Reeves, Sie sind festgenommen.“

Nina blieb auf dem Boden sitzen.

Luca kniete vor ihr und untersuchte ihr Gesicht, ihre Schultern, ihre Hände.

„Bist du verletzt?“

„Nein.“

„Sicher?“

„Du hast mich schon wieder zu Boden geworfen.“

„Du standest schon wieder vor einer Waffe.“

„Das entwickelt sich zu einer schlechten Gewohnheit.“

Diesmal lächelte er wirklich.

Nur kurz, aber Nina sah es.

Die Akte aus dem Lagerhaus war während des Angriffs teilweise beschädigt worden, doch die wichtigsten Seiten befanden sich noch in Ninas Metallkassette.

Anthony hatte außerdem verschlüsselte Kopien bei drei verschiedenen Anwälten hinterlegt.

Innerhalb von vierundzwanzig Stunden wurden Haftbefehle gegen Marco Santini, mehrere Beamte und zwei Richter erlassen.

Marco selbst war in der Nacht nach dem Restaurant entkommen.

Er hatte einen seiner Bewacher bestochen und war in einem Hafenhaus untergetaucht, das offiziell Reeves’ Briefkastenfirma gehörte.

Als die Behörden das Gebäude stürmten, fand Nina sich erneut in einem Überwachungsraum neben Luca wieder.

Vargas hatte sie gebeten, Marco anhand der Kamerabilder zu identifizieren.

Er saß im oberen Stockwerk vor einem Kamin und verbrannte Dokumente.

„Er wird nicht lebend herauskommen“, sagte Luca.

„Weil er kämpft?“

„Weil er glaubt, dass eine Niederlage schlimmer ist als der Tod.“

Nina sah Marco auf dem Monitor.

Dieser Mann hatte ihren Vater verraten, Luca in eine Falle gelockt und zwei Familien über Jahre gegeneinander ausgespielt.

Früher hätte sie sich gewünscht, Luca würde hineingehen und ihn töten.

Nun erinnerte sie sich an den Brief ihres Vaters.

Rache endet mit einem Grab.

„Dann darfst du ihm nicht geben, was er will“, sagte sie.

Luca blickte sie an.

„Er soll leben“, fuhr Nina fort.

„Er soll vor Gericht sitzen, während jedes Konto, jeder Name und jede Lüge öffentlich wird.“

Luca schwieg lange.

Dann legte er seine Waffe auf den Tisch.

Marco wurde neun Minuten später festgenommen.

Er versuchte zunächst, Reeves die gesamte Schuld zuzuschieben.

Als ihm klar wurde, dass Anthony lebte und die Konten rekonstruiert worden waren, beschuldigte er Luca.

Danach behauptete er, Nina habe die Unterlagen gefälscht.

Seine Widersprüche wurden zum stärksten Beweis gegen ihn.

Der Prozess dauerte acht Monate.

Anthony sagte drei Tage lang aus.

Elena Vargas präsentierte die Aufnahmen aus der Werkstatt, die illegalen Einsatzbefehle und Reeves’ verschlüsselte Kommunikation.

Nico bestätigte Marcos Verrat im Restaurant.

Selbst einige Männer, die am Mahagonitisch geschwiegen hatten, entschieden sich schließlich zur Aussage, nachdem sie verstanden, dass Marco sie ebenfalls opfern wollte.

Nina saß jeden Tag im Gerichtssaal.

Als das Foto ihres Vaters auf der Leinwand erschien, musste sie die Hände unter dem Tisch verschränken, damit niemand ihr Zittern sah.

Marco drehte sich zu ihr um und lächelte noch immer.

„Dein Vater war schwach“, sagte er während einer Pause.

Nina stand auf und trat bis zur Absperrung.

„Nein.

Er war mutig genug, Beweise zu hinterlassen.

Du warst nur mächtig, solange alle Angst vor dir hatten.“ Dann blickte sie auf die Handschellen an seinen Handgelenken.

„Jetzt bist du nur noch ein Mann, der zu viel geredet hat.“