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Die Akte, für die Ninas Vater sterben musste / Chapter 2 / 7

Chapter 2 — Die Akte, für die Ninas Vater sterben musste

4.9Editorial score

Das Schweigen war Antwort genug.

Luca legte die Seiten langsam hin.

„Mein Vater wusste, dass Michael Beweise hatte.

Er versprach ihm Schutz.“

„Und dann?“

„Dann entschied er, dass ein Krieg gegen Marco und Reeves zu teuer wäre.“

Nina lachte einmal, kurz und bitter.

„Zu teuer.“

„Er ließ deinen Vater allein.“

„Sag es richtig.“ Ihre Stimme zitterte nun.

„Er überließ ihn seinen Mördern.“

Luca hielt ihrem Blick stand.

„Ja.“

Nina wollte ihn hassen.

Sie hatte zehn Jahre darauf gewartet, einem Moretti diese Wahrheit ins Gesicht zu schleudern.

Doch Luca wich nicht aus, rechtfertigte seinen Vater nicht und versuchte nicht, die Schuld kleiner zu machen.

Das machte alles schwerer.

Anthony beugte sich vor.

„Michael wusste, dass er beobachtet wurde.

Deshalb teilte er die Beweise.

Eine Hälfte gab er Lucas Vater.

Die andere versteckte er für Nina.

Er sagte, die Unterlagen seien nur gemeinsam vollständig.“

Nina nahm den ungeöffneten Brief aus der Kassette.

Ihre Finger lagen auf dem brüchigen Papier.

Zehn Jahre hatte sie ihn nicht geöffnet.

Nicht aus Angst vor dem Inhalt, sondern weil der Brief das Letzte war, was ihr Vater ihr hinterlassen hatte.

Solange er verschlossen blieb, war seine Stimme noch nicht verklungen.

Luca sah den Umschlag an.

„Du musst das nicht jetzt tun.“

„Doch.“

Sie riss ihn auf.

Die Handschrift ihres Vaters war unruhiger als in ihrer Erinnerung.

Nina, wenn du das liest, bin ich wahrscheinlich nicht mehr da.

Glaube nicht jedem, der unseren Namen trägt, und hasse nicht jeden, der den Namen Moretti trägt.

Die Männer, die mich verfolgen, leben davon, dass Familien ihre Wut gegeneinander richten.

Suche Anthony.

Verbinde die Seiten.

Und wenn du entscheiden musst, ob du Rache oder Wahrheit willst, nimm die Wahrheit.

Rache endet mit einem Grab.

Wahrheit kann ein ganzes System zu Fall bringen.

Nina las die letzten Zeilen zweimal.

Luca stand vollkommen still.

Dann zersprang das Fenster hinter ihm.

Die Kugel schlug in den Tisch, riss Metall auf und schleuderte die Akte zu Boden.

Luca warf Nina hinter eine Betonstütze und zog seine Waffe.

Zwei weitere Schüsse trafen die Wand.

Anthony kippte mit dem Stuhl um.

Draußen heulten Motoren auf.

„Marco“, keuchte Anthony.

Luca zog sein Telefon hervor.

Kein Empfang.

„Störsender.“

Nina blickte zur Seitentür.

„Du wolltest allein kommen.“

„Bin ich.“ „Das war eine schlechte Idee.“