Luca sah Nina an.
„Er will mich lebend im Gewahrsam.
Zumindest vor den Kameras.“
Reeves trat näher.
„Und Sie müssen Nina Castellano sein.
Ihr Vater hat leider nie gelernt, wann er aufgeben sollte.“
Nina spürte, wie Luca sich neben ihr anspannte.
Sie ging einen Schritt vor.
„Sie kannten meinen Vater.“
„Flüchtig.“
„Sie standen mit ihm und Marco vor Lagerhaus zwölf.“
Zum ersten Mal verlor Reeves einen Hauch seiner Gelassenheit.
Nina hielt das alte Foto hoch.
Reeves lächelte wieder.
„Ein Foto beweist nichts.“
„Die Konten schon.“
„Welche Konten?“
Nina hatte sie absichtlich nicht genauer erwähnt.
Reeves hatte soeben bestätigt, dass er wusste, worum es ging.
Anthony bemerkte es ebenfalls.
„Daniel, du hast dich gerade verraten.“
Reeves’ Blick fiel auf ihn.
„Anthony.
Sie sehen schlechter aus, als ich erwartet hatte.“
Nico flüsterte: „Seine Leute tragen keine Körperkameras.“
Luca antwortete ebenso leise: „Dann wollen sie keinen offiziellen Einsatz.“
Reeves gab seinen Männern ein kaum sichtbares Zeichen.
Nina griff in ihre Manteltasche und zog nicht die Waffe, sondern das kleine Aufnahmegerät des falschen Anwalts hervor.
Sie hatte es am Vorabend eingesteckt, während Lucas Männer die Verträge sicherten.
Ein rotes Licht blinkte.
„Alles, was Sie seit Ihrer Ankunft gesagt haben, wird aufgezeichnet.“
Reeves lachte.
„Und wem wollen Sie es geben? Der Polizei?“
„Nein“, sagte eine Stimme hinter ihm.
„Mir.“
Eine zweite Kolonne Fahrzeuge bog in die Straße.
Angeführt wurde sie von Elena Vargas, einer Ermittlerin der internen Bundesaufsicht.
Anthony hatte ihr vor seiner Entführung eine zeitverzögerte Nachricht geschickt.
Als er nicht zu einem vereinbarten Termin erschienen war, sollte sie die darin enthaltenen Koordinaten und Kontodaten erhalten.
Vargas stieg aus, begleitet von Beamten mit sichtbaren Körperkameras.
„Direktor Reeves“, sagte sie.
„Ihre Einsatzfreigabe fehlt.
Ihre Männer sind nicht registriert.
Und wir haben gerade Ihre Verbindung zu einer außerbehördlichen Operation dokumentiert.“
Reeves’ Gesicht wurde hart.
„Sie haben keine Ahnung, womit Sie sich anlegen.“
„Das sagen Männer meistens kurz bevor wir ihre Telefone beschlagnahmen.“
Für einen Moment standen zwei bewaffnete Gruppen einander gegenüber.
Dann zog einer von Reeves’ Männern plötzlich seine Waffe in Ninas Richtung.
Luca reagierte zuerst.
Er stieß sie zu Boden.
Ein Schuss fiel, doch Nico traf den Angreifer in die Schulter, bevor er erneut feuern konnte.
Vargas’ Beamte überwältigten die übrigen Männer.
Reeves versuchte, zu seinem Wagen zurückzugehen.
Anthony stellte sich ihm in den Weg.
„Michael hat dir vertraut“, sagte er.