Ich schlug die Tür nicht zu.
Ich trat nur einen halben Schritt zurück und hob das Handy so, dass er den Bildschirm sehen konnte.
Oben leuchtete ein kleines rotes Symbol.
Ich hatte den Notruf aktiviert.
„Die Polizei hört mit“, sagte ich.
Das stimmte nicht ganz.
Ich hatte die Nummer gewählt, aber noch nicht gesprochen.
Doch der Mann konnte das nicht wissen.
Er zog seinen Fuß zurück.
Marco riss sich los und rannte die Treppe hinunter.
Der Mann fluchte und folgte ihm.
Daniel blieb allein im Flur zurück.
„Lass mich rein“, sagte er.
„Nein.“
„Die verfolgen mich.“
„Dann sag der Polizei, warum.“
Seine Augen sprangen von mir zu Teresa.
„Mom?“
Sie trat neben mich.
Ihr Gesicht war nass von Tränen, doch ihre Stimme war fest.
„Du hast mich gezwungen, Angst vor meinem eigenen Mann zu haben.“
„Ich wollte nur Zeit gewinnen.“
„Du hast meine Unterschrift gefälscht.“
„Das Geld ist nicht weg.
Ich kann es zurückholen.“
„Wo ist es?“, fragte ich.
Daniel schwieg.
Ich wiederholte die Frage.
„Ein Teil steckt in Krypto“, murmelte er schließlich.
„Ein Teil bei einer Wettseite.
Marco hat auch etwas.“
„Wie viel ist noch da?“
Seine Lippen bewegten sich, aber kein Ton kam heraus.
Das genügte als Antwort.
In der Ferne hörte ich Sirenen.
Diesmal hatte ich tatsächlich mit der Leitstelle gesprochen.
Ich hatte knapp erklärt, dass vor unserer Wohnung möglicherweise Betrug, Erpressung und eine Bedrohung stattfanden.
Daniel sah zum Treppenhaus.
„Du hast die Polizei gerufen?“
„Ja.“
„Gegen deinen eigenen Sohn?“
„Für deine Mutter.“
Er sah mich an, als hätte ich eine heilige Regel gebrochen.
In seiner Welt durfte er lügen, stehlen und drohen.
Aber wir durften niemals aufhören, ihn zu beschützen.
Zwei Beamte kamen die Treppe herauf, eine Frau und ein älterer Mann.
Daniel hob sofort beide Hände und setzte das Gesicht eines verängstigten Jungen auf.
„Mein Vater hat mich angegriffen und rausgeworfen.“
„Er lügt“, sagte Teresa.
Es war das erste Mal an diesem Abend, dass sie laut genug sprach, um den ganzen Flur zu füllen.
Die Beamtin bat uns, getrennt zu bleiben.
Daniel erzählte schnell und überzeugend.
Er behauptete, Teresa habe heimlich Geld genommen und ihm die Schuld gegeben.
Das Video auf seinem Handy zeige sie beim Öffnen des Metallschranks.
Er sagte, ich hätte ihn aus Wut bedroht.
Noch vor einer Stunde hätte Teresa bei dieser Version vielleicht geschwiegen.