Skip to content
Sophias Pinsel öffnete Ethans jahrelang verschlossene Schatulle / Chapter 3 / 7

Chapter 3 — Sophias Pinsel öffnete Ethans jahrelang verschlossene Schatulle

4.9Editorial score

„Aber der Regen.“

„Wir nehmen den Bus.“

Ethan stellte sich zwischen sie und die Tür, ohne ihnen den Weg wirklich zu versperren.

„Maria, ich werde Sie nicht entlassen.“

Sie sah zu ihm auf.

„Darum geht es nicht mehr.“

Er verstand sofort, was sie meinte.

Ihr Arbeitsplatz war nicht nur durch Sophias Pinsel gefährdet worden.

Er selbst hatte etwas beschädigt.

Maria hatte ihm mit professioneller Distanz begegnet, weil sie auf das Einkommen angewiesen war.

Dennoch hatte sie ihm einen grundlegenden Vorschuss an Respekt gegeben.

Er hatte diesen Respekt mit Misstrauen beantwortet.

Bevor Ethan etwas sagen konnte, klingelte es an der Haustür.

Der Butler erschien im Durchgang.

„Mr.

Cole, Mr.

Whitmore ist eingetroffen.

Die anderen Wagen sind bereits auf der Auffahrt.“

Maria blickte erneut auf das bemalte Gesicht ihres Arbeitgebers.

„Gehen Sie“, sagte Ethan zum Butler.

„Ich empfange sie selbst.“

„Sehr wohl.“

Als der Mann verschwunden war, griff Maria noch einmal nach dem Reinigungstuch.

„Lassen Sie mich wenigstens den roten Streifen entfernen.“

Ethan schüttelte den Kopf.

„Sophia sagt, sonst fliegt der Schmetterling weg.“

Zum ersten Mal an diesem Abend zuckte Marias Mundwinkel.

Dann wurde die Eingangstür geöffnet.

Charles Whitmore betrat den Salon, gefolgt von seiner Frau Evelyn.

Charles war Mitte fünfzig, Vorstand einer großen Investmentgesellschaft und daran gewöhnt, dass Räume sich nach ihm richteten.

Sein Blick glitt über das Silbertablett, die Kunstwerke und schließlich zu Ethan.

Er blieb stehen.

„Was zum Teufel ist mit deinem Gesicht passiert?“

Evelyn erkannte Sophia mit dem Pinsel und hob überrascht die Brauen.

Maria trat instinktiv vor ihre Tochter.

„Es war ein Versehen“, sagte sie.

„Ich übernehme die Verantwortung.“

Charles lachte kurz.

„Du lässt das Personal inzwischen also alles tun?“

Der Satz fiel beiläufig, aber Maria versteifte sich.

Ethan bemerkte es.

Noch vor einer Stunde hätte er die Farbe entfernt, Maria aus dem Raum geschickt und den Abend mit einem makellosen Lächeln begonnen.

Er hätte alles vermieden, was ihn schwach, lächerlich oder unkontrolliert erscheinen ließ.

Nun sah er im Spiegel hinter Charles den gelben Sonnenstrahl auf seiner Wange.

„Nein“, sagte Ethan ruhig.

„Aber heute Abend finden wir heraus, wer hier tatsächlich eine Prüfung nicht besteht.“

Charles’ Lächeln verschwand.

Die übrigen Gäste trafen kurz darauf ein: eine Bankdirektorin namens Helen Price und der Architekt Daniel Ross.

Beide bemerkten die Bemalung, doch keiner machte einen abfälligen Kommentar.

Helen lächelte Sophia sogar kurz zu.

Ethan hätte Maria und das Kind nach Hause schicken können.

Stattdessen bat er sie zu bleiben, bis der Regen nachließ.

„Im kleinen Salon“, ergänzte er.

„Nicht weil Sie versteckt werden sollen.

Sophia hat dort nur ihre Sachen.“ Maria musterte ihn prüfend.

„Und mein Job?“