„Sie haben Beschwerden nicht gelöst“, sagte Ethan.
„Sie haben sie verschwinden lassen.“
„Das ist eine Unterstellung.“
„Dann hören wir uns jemanden an, der unter Ihnen gearbeitet hat.“
Ethan tippte auf eine Audiodatei.
Die Stimme eines Mannes erklang aus dem Telefon.
Unsicher, angespannt, aber klar.
„Mein Name ist Daniel Reyes.
Ich war bis März stellvertretender Leiter der Rezeption im Grand Regent.
Mr.
Harlan wies uns an, Beschwerden bestimmter Gäste als Missverständnisse zu klassifizieren.
Er sagte, Menschen ohne Firmenkonto, Statuskarte oder teure Kleidung würden ohnehin selten juristisch vorgehen.
Als ich mich weigerte, wurde mir vorgeworfen, Reservierungsdaten manipuliert zu haben.
Zwei Wochen später wurde ich entlassen.“
Richard griff nach dem Tresen.
„Der Mann wurde wegen Pflichtverletzungen gekündigt.“
Die Aufnahme lief weiter.
„Ich habe Kopien der internen Anweisungen und eine Tabelle mit gelöschten Fällen gespeichert.
Lupita Alvarez war die einzige Mitarbeiterin, die bereit war, meine Aussage zu bestätigen.“
Alle Blicke wanderten zu Lupita.
Ihre Lippen bebten, doch sie blieb aufrecht stehen.
Richard sah sie an, nicht mehr wie eine Hausdame, sondern wie eine Gefahr.
„Sie haben vertrauliche Unterlagen weitergegeben?“
„Ich habe gesagt, was passiert ist“, antwortete sie.
„Sie wissen, dass das ein Kündigungsgrund sein kann.“
Ethan schob das Telefon vom Tresen und nahm es wieder an sich.
„Drohungen gegen Zeugen sind ebenfalls ein Kündigungsgrund.“
Richard wurde rot.
„Ich drohe niemandem.“
„Sie haben es gerade getan.“
In diesem Moment öffnete sich der Aufzug.
Eine Frau in einem dunkelblauen Hosenanzug trat heraus, begleitet von zwei Männern mit Aktenkoffern.
Sie ging direkt auf Ethan zu.
„Mr.
Vance.“
Ethan nickte.
„Mara.
Danke, dass Sie gekommen sind.“
Richard kannte sie.
Mara Klein war die Chefjuristin der Vance Hospitality Group.
Normalerweise nahm sie nicht an Galaabenden teil.
Und sie erschien nie ohne Grund mit zwei Compliance-Ermittlern.
Mara legte eine versiegelte Mappe auf den Tresen.
„Wir haben nach Ihrem Anruf den Zugriff auf die Personal- und Beschwerdesysteme gesichert.
Es wurden in den letzten acht Minuten mehrere Löschversuche registriert.“
Richard wich zurück.
„Von welchem Konto?“ fragte Ethan.
Mara sah ihn an.
„Vom administrativen Zugang des General Managers.“
Die Stille war nun vollkommen.
Richard schüttelte den Kopf.
„Mein Computer steht im Büro.
Jeder leitende Mitarbeiter könnte—“
„Der Zugang erforderte Ihre persönliche Zwei-Faktor-Bestätigung“, sagte Mara.
„Die Freigabe erfolgte über Ihr Telefon.“
Richard tastete instinktiv nach seiner Jackentasche.