Er tat es langsam, doch plötzlich wirkte der Raum kleiner.
„Raus“, sagte er zu Vincent.
„Wir müssen in zehn Minuten gemeinsam auf die Bühne.“
„Dann lernst du heute, wie es sich anfühlt, allein dort zu stehen.“
Vincents Lächeln verschwand.
„Du weißt nicht, was du tust.“
„Doch“, erwiderte Adrian.
„Zum ersten Mal seit Jahren weiß ich es sehr genau.“
Vincent sah Elena ein letztes Mal an.
Keine Wut, kein sichtbarer Hass.
Nur eine stille Gewissheit, dass er sie erreichen konnte, wann immer er wollte.
Dann ging er.
Adrian schloss die Tür und verriegelte sie.
„Das Telefon.“
Elena hielt es fest.
„Wenn Ihre Sicherheitsleute wirklich so gut wären, hätte niemand dieses Glas präpariert.“
Die Worte trafen ihn.
Nicht weil sie laut waren, sondern weil sie stimmten.
„Meine Mutter ist allein“, sagte Elena.
„Jemand steht vor ihrem Haus.“
Adrian streckte nicht mehr die Hand aus.
Stattdessen nahm er sein eigenes Telefon und wählte eine Nummer.
„Levin, zwei Fahrzeuge zur Adresse, die ich dir gleich sende.
Keine Uniformen.
Niemand nähert sich der Wohnung, bevor die Umgebung gesichert ist.“
Er sah Elena an.
„Die Adresse.“
Sie zögerte.
„Sie müssen mir nicht vertrauen“, sagte er.
„Aber der Mann, der Ihnen diese Nachricht geschickt hat, zählt gerade darauf, dass Sie niemandem vertrauen.“
Elena nannte ihm die Straße.
Während Adrian sie weitergab, schickte sie ihrer Mutter eine scheinbar harmlose Nachricht: Sie solle die Tür verriegeln, nicht ans Fenster gehen und auf einen Anruf warten.
Ihre Mutter antwortete fast sofort mit einem Fragezeichen.
Elena zwang sich, nicht zu erklären.
Jede weitere Nachricht konnte gelesen werden.
Adrian beendete das Gespräch.
„Levin ist seit zwölf Jahren bei mir.“
„Und Ihr Bruder seit Ihrer Geburt.“
Wieder traf sie den richtigen Punkt.
Adrian trat ans Fenster.
Unter ihnen lag die Stadt, hell und gleichgültig.
Auf der Terrasse hinter den Wänden spielte das Quartett weiter.
„Ich wusste, dass Geld verschwand“, sagte er schließlich.
„Stiftungskonten.
Bauprojekte.
Beratungsverträge.
Immer kleine Beträge, verteilt über Dutzende Firmen.
Vor drei Wochen ließ ich eine externe Prüfung beginnen.“
„Und heute wollten Sie das Ergebnis verkünden.“
Er drehte sich um.
„Woher wissen Sie das?“
„Die Bühne trägt Ihr Firmenlogo.
Auf jedem Tisch liegt eine Mappe mit dem Titel Zukunft der Falk-Stiftung.
Ihr Bruder hat vor Beginn viermal mit dem Finanzdirektor gesprochen und dabei nie gelächelt.
Als Sie die Terrasse betreten haben, hat er sofort zur Bar gesehen.“ Adrian betrachtete sie lange.
„Sie beobachten viel.“