„Sag es ihnen“, wiederholte er.
Die Beamtin stellte sich zwischen die beiden.
„Sie sprechen jetzt nicht mehr mit ihr.“
Edric lachte kurz.
Das Lachen klang gezwungen.
„Sie verstehen nicht, mit wem Sie es zu tun haben.
Meine Frau bestätigt die Geschichte.
Die Mädchen sind instabil.
Es gibt Schulberichte.“
Ich kannte diese Berichte.
Beschwerden über angebliche Wutausbrüche.
Notizen über erfundene Krankheiten.
Protokolle von Gesprächen, in denen Edric Lehrern erklärt hatte, wir würden nach dem Tod unseres Vaters um Aufmerksamkeit kämpfen.
Er hatte jede Reaktion auf seine Gewalt als Beweis dafür benutzt, dass mit uns etwas nicht stimmte.
Die Kinderschutzmitarbeiterin setzte sich an mein Bett.
„Faye, du musst jetzt nicht alles erzählen.
Du bist sicher.
Kannst du mir nur sagen, ob du möchtest, dass diese Menschen den Raum verlassen?“
Ich sah zuerst Edric an, dann meine Mutter.
„Beide.“
Meine Mutter zuckte zusammen, als hätte ich sie geschlagen.
Die Beamtin führte Edric hinaus.
Er protestierte, drohte mit Anwälten und verlangte, den Krankenhausdirektor zu sprechen.
Als er an Chloes Bett vorbeikam, öffnete sie für einen Moment die Augen.
Sie sah ihn.
Ihr ganzer Körper spannte sich an.
Die Reaktion dauerte kaum eine Sekunde, aber Dr.
Cooper bemerkte sie.
Er stellte sich sofort so, dass sie Edric nicht mehr sehen musste.
Unsere Mutter blieb stehen, bis die zweite Beamtin sie aufforderte zu gehen.
An der Tür drehte sie sich noch einmal zu mir um.
„Faye, ich wollte euch beschützen.“
Ich antwortete nicht.
Sie hatte diesen Satz schon früher gesagt.
Immer am Morgen danach, wenn sie Eisbeutel brachte oder Make-up auf unsere blauen Flecken tupfte.
Sie hatte Schutz versprochen und Schweigen geliefert.
Als die Tür hinter ihr geschlossen wurde, ließ die Spannung in meinem Körper nach.
Nicht vollständig.
Nur genug, dass ich merkte, wie stark meine Hände zitterten.
Dr.
Cooper nahm das Telefon vom Lautsprecher und sprach kurz mit Onkel Alan.
Danach hielt er es mir ans Ohr.
„Ich komme“, sagte mein Onkel.
„Ich bin etwa zwei Stunden entfernt.
Eine Anwältin aus der Kanzlei deines Vaters ist bereits unterwegs.
Hörst du mich, Faye?“
„Ja.“
„Du hast nichts falsch gemacht.“
Dieser einfache Satz traf mich härter als alles andere in dieser Nacht.
Ich begann zu weinen.
Nicht laut.
Ich wollte Chloe nicht erschrecken.
Doch die Tränen ließen sich nicht mehr zurückhalten.
Onkel Alan blieb am Telefon, bis eine Krankenschwester mich für weitere Untersuchungen abholte.
Ein Scan zeigte keine innere Blutung, aber eine schwere Gehirnerschütterung.
Chloe musste intensiver überwacht werden.