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Warum schlief Lucía jede Nacht zwischen meinem Mann und mir? / Chapter 2 / 6

Chapter 2 — Warum schlief Lucía jede Nacht zwischen meinem Mann und mir?

4.9Editorial score

„Polizei.

Öffnen Sie die Haustür.“

Esteban fuhr herum.

„Du hast die Polizei gerufen?“

Lucía sah auf das Telefon in meinen Händen.

„Nicht ich.“

Die Anwältin meldete sich wieder.

„Ich habe sie gerufen, sobald Herr Esteban die Betäubung und den Notartermin erwähnt hat.

Die Beamten haben außerdem eine richterliche Bereitschaftsanordnung zur Sicherung möglicher Beweismittel beantragt.“

Esteban lachte einmal scharf auf.

„Aufgrund eines Gesprächs? Das ist lächerlich.“

Er hob die blaue Akte hoch.

„Das sind Familiendokumente.

Meine Frau hat mir erlaubt, sie zu nehmen.“

„Nein“, sagte ich.

Nur dieses eine Wort.

Es veränderte etwas in seinem Gesicht.

Siebzehn Jahre lang hatte Esteban gewusst, wie er mich zum Schweigen bringen konnte.

Ein Blick genügte.

Eine Hand auf meiner Schulter.

Ein leiser Satz darüber, dass ich empfindlich sei oder mich später für meinen Auftritt schämen würde.

Jetzt stand ich barfuß vor ihm, hielt das Telefon wie einen Beweis und wiederholte: „Ich habe dir das nie erlaubt.“

Er machte einen Schritt auf mich zu.

Lucía stellte sich dazwischen.

Genau wie in jeder Nacht.

Erst da begriff ich, was sie getan hatte.

Sie hatte nicht versucht, meinem Mann nahe zu sein.

Sie hatte ihn von mir ferngehalten.

Meine Mutter klopfte erneut.

„Tomás, öffne sofort.“

Diesmal klang ihre Stimme unsicher.

Tomás drehte den Schlüssel, offenbar um sie hereinzulassen und die Situation zu kontrollieren.

Doch kaum öffnete sich die Tür, schob meine Mutter sie ganz auf.

Hinter ihr standen zwei Polizeibeamte und eine Frau in einem grauen Mantel.

Sie hielt ein zweites Telefon ans Ohr.

„Ana Beltrán“, sagte sie.

„Rechtsanwältin von Mara Álvarez.“

Ich hatte Ana seit dem Tod meines Vaters nicht mehr gesehen.

Sie hatte damals das Testament verlesen und mich gewarnt, die Originalurkunden niemals aus der Hand zu geben.

Nun sah sie zuerst mich, dann die Akte in Estebans Händen an.

„Legen Sie sie auf den Tisch.“

Esteban hob das Kinn.

„Sie haben hier nichts zu bestimmen.“

Einer der Beamten trat vor.

„Doch.

Im Moment schon.“

Esteban legte die Mappe nicht ab.

Stattdessen riss er sie auf und zog die Vollmacht heraus.

„Das hier hat meine Frau unterschrieben.“

„Dann wird eine Prüfung das bestätigen“, sagte Ana.

„Das ist unnötig.“

Er begann, das Papier zu falten.

Der Beamte nahm es ihm aus der Hand, bevor er es zerreißen konnte.

Tomás hob beschwichtigend die Hände.

„Das ist ein Missverständnis.

Meine Schwester ist seit Wochen nicht sie selbst.“ Ana sah ihn an.