„Frau Álvarez, ich habe jedes Wort gehört.
Öffnen Sie jetzt die Tür.“
Die Stimme der Anwältin kam klar aus Lucías Telefon, obwohl meine Hände so stark zitterten, dass das Gerät auf der Bettdecke bebte.
Unten klingelte es erneut.
Dreimal kurz, zweimal lang.
Esteban saß noch immer auf der Bettkante.
Auf seinem Schoß lag die blaue Akte meines Vaters, geöffnet bei der gefälschten Vollmacht.
Sein Gesicht hatte jede Farbe verloren.
Tomás stand in der Schlafzimmertür und blickte erst zu seinem Schwager, dann zu seiner Frau.
Für einen Moment sagte niemand etwas.
Dann sprang Esteban auf.
„Gib mir das Telefon.“
Er griff über Lucía hinweg, doch sie stieß das Gerät zu mir.
Ich fing es mit beiden Händen auf und wich zur Wand zurück.
„Berühren Sie weder das Telefon noch die Dokumente“, sagte die Anwältin.
„Die Übertragung läuft.
Eine Kopie wird automatisch gespeichert.“
Tomás trat ins Zimmer und schloss die Tür hinter sich ab.
„Was hast du getan?“, fragte er Lucía.
Seine Stimme klang nicht mehr wie die eines Mannes, der seine verängstigte Frau beruhigen wollte.
Sie war kalt und präzise.
Lucía setzte sich auf.
Ihr dunkles Haar hing ihr ins Gesicht, doch sie strich es nicht zurück.
„Ich habe aufgehört, dir zu gehorchen.“
Tomás lachte leise.
„Du solltest sie beobachten.
Mehr nicht.“
Er zeigte auf mich.
Die Anwältin schwieg am anderen Ende der Leitung.
Sie wusste offenbar, dass jede weitere Silbe wichtiger war als eine Warnung.
Esteban erkannte es ebenfalls.
„Halt den Mund“, zischte er Tomás an.
Doch Tomás war bereits zu wütend, um vorsichtig zu sein.
„Sie hat alles ruiniert.
Wochenlang haben wir dieses Theater mit ihren Albträumen ertragen, und jetzt stellt sie sich plötzlich auf deine Seite.“
„Welches Theater?“, fragte ich.
Meine Stimme klang fremd.
Ruhiger, als ich mich fühlte.
Tomás sah mich an, als hätte er vergessen, dass ich wach war.
Esteban schob die gefälschte Vollmacht zurück in die Akte und klappte sie zu.
„Mara, du bist verwirrt.
Du hast wieder deine Medikamente nicht richtig genommen.“
„Welche Medikamente?“
Er antwortete nicht.
Im Flur klopfte meine Mutter gegen die Tür.
„Was ist da drin los? Esteban? Tomás?“
Tomás stellte sich vor die Tür.
„Alles gut, Mama.
Lucía hat wieder einen Anfall.“
Lucía schloss kurz die Augen.
Ich erinnerte mich daran, wie meine Mutter sie in den vergangenen Tagen angesehen hatte: mit Misstrauen, manchmal sogar mit Verachtung.
Tomás hatte jedem erzählt, seine Frau sei labil.
Er hatte ihre Angst in eine Waffe gegen sie verwandelt.
„Mach auf“, sagte meine Mutter.
„Gleich.“
Von unten kam eine Männerstimme.