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Sie verstieß ihr Enkelkind – dann wurde der Name im Grundbuch verlesen / Chapter 6 / 6

Chapter 6 — Sie verstieß ihr Enkelkind – dann wurde der Name im Grundbuch verlesen

4.9Editorial score

Auf jeder Tür war statt eines Namens ein farbiges Tierbild angebracht.

Eine junge Mutter kam an diesem Nachmittag mit einem Jungen herein, der ungefähr so alt war wie Valeria.

Er hielt ein Spielzeugauto in der Faust und sah sich unsicher um.

„Ihr könnt beide bleiben“, sagte die Leiterin zu ihnen.

„Hier wird niemand getrennt.“

Ich musste an den Morgen nach dem Erdbeben denken.

An den Staub in Valerias Haaren.

An die Gardine, hinter der meine Mutter uns beobachtet hatte.

An die Frage, die meine Tochter im Auto gestellt hatte: Habe ich etwas falsch gemacht?

Valeria nahm meine Hand und zog mich ins Spielzimmer.

An einer Wand hing eine Zeichnung von ihr.

Darauf war ein großes Haus mit vielen Fenstern zu sehen.

Vor der Tür standen Menschen mit Taschen, Kindern und Teddybären.

Über dem Dach hatte sie eine Sonne gemalt.

„Das ist unser Haus“, sagte sie.

„Wir wohnen doch gar nicht hier“, erwiderte ich.

Sie schüttelte den Kopf.

„Nicht unser Haus zum Schlafen.

Unser Haus zum Reinlassen.“

Ich ging in die Knie und umarmte sie.

Das Erdbeben hatte mir ein Zuhause genommen.

Meine Mutter hatte versucht, mir auch die Familie zu nehmen, von der ich geglaubt hatte, sie zu besitzen.

Doch am Ende hatte ich etwas anderes gelernt: Herkunft ist keine Erlaubnis, grausam zu sein.

Verwandtschaft ist kein Anspruch auf Vergebung.

Und eine Tür wird nicht dadurch zu einem Zuhause, dass dieselben Menschen seit Jahren den Schlüssel besitzen.

Ein Zuhause beginnt in dem Moment, in dem ein verängstigtes Kind davorsteht und jemand sagt:

„Komm herein.

Für dich ist Platz.“