Mara kannte das Bild.
Eine Kopie hing zu Hause im Flur.
„Meine Tochter und mein Schwiegersohn starben, als Mara noch ein Baby war“, sagte Heinrich.
„Nach ihrem Tod verkaufte ich den größten Teil meines Unternehmens.
Einen Teil des Geldes legte ich für meine Enkelin zurück.
Mit dem anderen Teil gründete ich die Weber-Stiftung.“
Mara starrte ihn an.
Sie wusste, dass er früher eine Werkstatt besessen hatte.
Sie wusste auch, dass er der Stiftung gelegentlich bei Verwaltungsfragen half.
Doch er hatte ihr nie gesagt, dass er sie gegründet hatte.
Ihr Großvater hatte stets bescheiden gelebt.
Er fuhr einen zwölf Jahre alten Wagen, trug seine Jacken, bis die Ärmel glänzten, und reparierte jeden kaputten Toaster, als wäre ein neuer eine verschwenderische Unvernunft.
„Warum hast du mir das nie erzählt?“, fragte sie leise.
Heinrich sah zu ihr hinunter.
„Weil Geld niemanden größer macht“, sagte er.
„Es zeigt nur deutlicher, wer jemand bereits ist.“
Sein Blick wanderte zu Vanessa und ihrer Mutter.
Frau Brandt hob beide Hände.
„Gut.
Die Rampe wurde entfernt.
Das war vielleicht ungeschickt.
Aber deswegen müssen wir nicht den gesamten Abend zerstören.“
„Der Abend wurde nicht durch eine Rampe zerstört“, sagte Mara.
Alle Köpfe drehten sich zu ihr.
Noch vor wenigen Minuten hatte sie am liebsten den Saal verlassen wollen.
Jetzt trat sie neben ihren Großvater auf die Bühne.
Der Hausmeister hielt die schmale Ersatzrampe fest, während sie hinaufging.
Mara nahm das zweite Mikrofon.
Ihre Hände zitterten, doch ihre Stimme tat es nicht.
„Der Abend wurde in dem Moment zerstört, als Sie entschieden haben, dass mein Großvater versteckt werden soll.
Und als Ihre Tochter glaubte, sie dürfe ihn einen Pflegefall nennen, ohne dass jemand widerspricht.“
Vanessa verdrehte die Augen.
„Ich habe nur einen Witz gemacht.“
„Ein Witz ist lustig“, sagte Mara.
„Du wolltest, dass er sich schämt.“
„Du übertreibst.“
„Dann sag uns, was daran lustig war.“
Vanessa öffnete den Mund.
Niemand lachte.
Sie sah zu ihren Freunden, doch keiner half ihr.
Aus der Nähe der Rosenwand meldete sich plötzlich Elias, ein stiller Schüler aus Maras Englischkurs.
„Sie hat schon beim Aufbau darüber gesprochen“, sagte er.
Vanessa fuhr herum.
„Halt dich da raus.“
Elias wurde blass, blieb aber stehen.
„Sie sagte, Rollstühle würden auf den Bildern nach Krankenhaus aussehen.
Frau Brandt hat den Hausmeister angewiesen, die Rampe in den Lagerraum zu bringen.“
Der Hausmeister, Herr Bender, stand noch immer neben der Bühne.
Er rieb sich die Hände an seiner Arbeitshose ab.
„Das stimmt“, sagte er.
„Ich habe widersprochen.
Frau Brandt sagte, sie leite das Komitee und ich solle meine Arbeit machen.“
„Sie lügen“, rief Frau Brandt.
Herr Bender sah sie an.
„Nein.
Ich habe sogar darum gebeten, die Anweisung schriftlich zu bekommen.“ Der Anwalt hielt die ausgedruckten E-Mails hoch.