Donna hatte nicht impulsiv gehandelt.
Sie hatte Layas Zustand erzeugt, Zeugen gesammelt und daraus eine Geschichte gebaut, in der Kevin der Täter war.
„Warum morgen?“, fragte Officer Ramirez.
„Warum die Eile?“
Keller öffnete seine Mappe und zog eine Kopie des Antrags heraus.
„Frau Halberg behauptete, Herr Ward plane, mit dem Kind den Bundesstaat zu verlassen.“
„Das stimmt nicht“, sagte Kevin.
„Ich sehe inzwischen erheblichen Klärungsbedarf.“
Am unteren Rand des Antrags stand eine eidesstattliche Erklärung.
Donna hatte darin behauptet, Kevin sei nach Clares Tod depressiv, unberechenbar und zunehmend vergesslich geworden.
Laya habe mehrfach unbeaufsichtigt im Treppenhaus gestanden.
Kevin habe Arzttermine versäumt und Alkoholprobleme entwickelt.
Nichts davon war wahr.
Doch Donna hatte zwei Nachbarn als mögliche Zeugen genannt.
Kevin kannte beide.
Eine ältere Frau aus dem Erdgeschoss und einen Mann aus dem Nachbarhaus, der gelegentlich Donnas Auto reparierte.
„Sie hat seit Monaten daran gearbeitet“, sagte er.
Keller antwortete nicht.
Dann klingelte Kevins Telefon.
Die Nachricht kam von Layas Kindergärtnerin, Hannah Bell.
Ich habe Videos.
Ihre Tochter war nach jedem Mittwoch kaum ansprechbar.
Kevin rief sofort an und stellte auf Lautsprecher.
Hannah meldete sich nach dem ersten Klingeln.
„Kevin, ich habe gerade von der Polizei erfahren, was passiert ist.
Es tut mir leid.
Ich hätte früher etwas sagen müssen.“
„Was haben Sie gesehen?“
„Seit ungefähr zwei Monaten war Laya donnerstags oft ungewöhnlich müde.
Sie ist beim Morgenkreis eingeschlafen.
Einmal konnten wir sie kaum wecken.
Donna sagte, Sie hätten sie am Vorabend lange wach gehalten.“
Kevin schloss die Augen.
„Und die Videos?“
„Unsere Klasse dokumentiert Projekte für die Eltern.
Auf mehreren Aufnahmen sieht man den Unterschied.
Dienstags ist Laya aufmerksam.
Donnerstags kann sie kaum die Augen offen halten.
Vor zwei Wochen sagte sie vor laufender Kamera: Oma gibt mir meine Ruhig-Tablette.“
Im Raum wurde es still.
„Warum wurde ich nicht informiert?“
Hannahs Stimme brach.
„Donna sagte, Sie wüssten davon.
Sie trug sogar eine Kopie eines angeblichen Behandlungsplans bei sich.“
Dr.
Harding trat näher.
„Von welchem Arzt?“
„Auf dem Blatt stand der Name einer Kinderpsychiaterin aus Duluth.“
„Können Sie das Dokument sichern?“
„Ja.
Donna hat es im Kindergarten abgegeben.
Es liegt in Layas Akte.“
Officer Ramirez bat Hannah, nichts zu verändern und die Unterlagen bis zur Abholung zu versiegeln.
Nach dem Gespräch sah Dr.
Harding Kevin an.
„Wenn dieses Dokument gefälscht ist, reden wir nicht mehr nur über unerlaubte Medikamentengabe.“ Eine Stunde später wurde Donna zur Befragung mitgenommen.