Ich wollte eine zweite Meinung.“
Die Pflegerin öffnete die Akte und deutete auf seine elektronische Unterschrift.
„Hier steht, dass Sie keine weitere Diagnostik wünschen.“
Robert streckte die Hand nach dem Blatt aus.
Sie zog es zurück.
„Das ist Teil der Patientenakte.“
Sein Gesicht wurde rot.
„Ich bin ihr Vater.“
„Und sie ist die Patientin“, sagte Dr.
Lawson.
Die Sicherheitsmitarbeiter blieben an der Tür.
Einer von ihnen bat Robert, Abstand zur Liege zu halten.
Zum ersten Mal sah ich nicht den Mann, der in unserem Haus jede Rechnung kontrollierte und jede Entscheidung mit einem Kopfschütteln beendete.
Ich sah einen Mann, dessen Macht davon abhing, dass niemand seine Entscheidungen überprüfte.
Nun lag vor uns eine Akte, die nicht eingeschüchtert werden konnte.
Eine Mitarbeiterin brachte die Einwilligungsunterlagen.
Meine Hand zitterte, als ich unterschrieb.
Robert protestierte, aber Dr.
Lawson erklärte, dass meine Zustimmung als sorgeberechtigter Elternteil ausreiche und Mayas Zustand keine weitere Verzögerung erlaube.
Maya wurde für die Computertomografie vorbereitet.
Als die Pflegerin die Liege aus dem Raum schob, griff Maya nach meiner Hand.
„Kommst du mit?“
„Bis zur Tür.
Und danach bin ich genau hier.“
Robert stand an der Wand, die Arme vor der Brust verschränkt.
Maya sah nicht zu ihm hin.
Während wir durch den Flur gingen, vibrierte mein Telefon immer wieder.
Roberts Schwester.
Seine Mutter.
Eine unbekannte Nummer.
Später erfuhr ich, dass er ihnen bereits geschrieben hatte, ich hätte Maya gegen seinen Willen ins Krankenhaus gebracht und würde Ärzte zu unnötigen Eingriffen drängen.
Ich schaltete das Telefon aus.
Die CT-Aufnahmen bestätigten Dr.
Lawsons Verdacht.
An Mayas linkem Eierstock saß eine fast siebzehn Zentimeter große Masse.
Sie enthielt unterschiedliche Gewebearten und hatte sich so verdreht, dass die Blutversorgung bereits stark eingeschränkt war.
Dr.
Lawson zeigte mir die Bilder in einem kleinen Besprechungsraum.
„Das Aussehen passt zu einem reifen zystischen Teratom“, erklärte er.
„Solche Tumoren sind häufig gutartig, aber das können wir erst nach der pathologischen Untersuchung sicher sagen.
Die akute Gefahr ist die Verdrehung.“
Das Wort Tumor traf mich trotzdem wie ein Stoß.
„Können Sie den Eierstock retten?“
„Wir versuchen es.
Aber ich kann es nicht versprechen.“
Maya saß in einem Rollstuhl neben mir.
Sie trug inzwischen ein Krankenhaushemd und hatte eine Decke über den Beinen.
Ihre Lippen waren farblos.
„Werde ich später Kinder bekommen können?“ fragte sie.
Dr.
Lawson antwortete ohne falsche Beruhigung.
„Selbst wenn ein Eierstock verloren ginge, könnte der andere normal funktionieren.
Aber unser Ziel ist, beide zu erhalten.“
Maya nickte, doch ihre Augen füllten sich mit Tränen.
Ich kniete vor ihr.
„Du musst jetzt nicht stark sein.“