Nina blickte Frank an.
„Dann wird dieser Anruf für Sie schwierig.
Ihre Bank, Ihr Anwalt und die Polizei werden nämlich dieselben Unterlagen sehen.“
Sie legte die Mappe auf den Tisch und öffnete sie.
Oben lag der Gesellschaftsvertrag von Lark & Laurel Hospitality.
Darunter die Besitzurkunde des Gebäudes, die Kreditvereinbarung und eine Aufstellung der Beteiligungen.
Elise Carter: sechzig Prozent.
Nina Alvarez: vierzig Prozent.
Mein Vater überflog die Seite und schnaubte.
„Papier kann jeder ausdrucken.“
Nina zog ein weiteres Dokument hervor.
„Deshalb gibt es notarielle Beglaubigungen, Registrierungsnummern und Banken.“
Sutton nahm die Besitzurkunde in die Hand.
Ihre Augen wanderten über meinen Namen, die Adresse und das Datum des Kaufs.
„Du besitzt das Gebäude?“, fragte sie.
„Mit der Firma, ja.“
„Seit wann?“
„Seit drei Jahren.“
Sie sah mich an, als hätte ich ihr etwas angetan.
„Warum hast du uns das nie gesagt?“
Ich musste beinahe lachen.
„Wann genau hätte ich es sagen sollen? Als Dad mich ausgelacht hat, weil ich Charleston nicht verlassen wollte? Als du meine Eröffnungseinladung ungelesen zurückgeschickt hast? Oder vor zehn Minuten, als du deinen Freunden erzählt hast, ich würde irgendwo kochen?“
Suttons Freundin neben ihr senkte den Blick.
Mein Vater blätterte hektisch durch die Unterlagen.
„Woher hattest du das Geld?“
Da zog Nina das Dokument hervor, das ganz unten gelegen hatte.
Es war eine Kopie der Lebensversicherung meiner Mutter.
Neben der Auszahlungssumme befand sich eine handschriftliche Ergänzung, die sie sechs Monate vor ihrem Tod verfasst und bei ihrer Anwältin hinterlegt hatte.
Für Elise, stand dort.
Nicht weil sie mich mehr liebt als andere, sondern weil sie aus dem, was ich ihr beigebracht habe, etwas Eigenes schaffen wird.
Dieses Geld soll ihr Anfang sein, nicht ihre Schuld.
Mein Vater wich einen Schritt zurück.
Ich hatte diese Zeilen seit Jahren nicht mehr gelesen.
Meine Mutter hatte mir keine große Summe hinterlassen.
Sie reichte gerade für die Anzahlung auf die heruntergekommene Lagerhalle und als Sicherheit für einen Geschäftskredit.
Alles andere hatten Nina und ich mit Arbeit, Verhandlungen und einer Menge Angst aufgebaut.
Aber für meinen Vater war die Nachricht schlimmer als jeder Betrag.
Meine Mutter hatte mich gesehen.
Er nicht.
„Das beweist gar nichts“, sagte er.
„Deine Mutter war am Ende krank.
Sie wusste nicht, was sie unterschrieb.“
Die Worte trafen mich beinahe härter als seine Hand.
Nina schloss die Mappe nicht.
„Das Dokument wurde in Anwesenheit ihrer Ärztin, ihrer Anwältin und zweier Zeugen unterzeichnet.
Alle bestätigten ihre Entscheidungsfähigkeit.“
Mein Vater zeigte auf mich.
„Du hast sie manipuliert.“
„Ich wusste bis nach ihrem Tod nichts davon“, sagte ich.
„Lügnerin.“
„Frank“, sagte meine Tante leise.
Es war das erste Wort, das sie an diesem Abend zu seiner Verteidigung nicht benutzte.
Er fuhr zu ihr herum.
„Halt dich da raus.“
„Nein.“ Sie legte ihr Telefon auf den Tisch.
„Ich war eine der Zeuginnen.“