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Als der Klinikchef seine schwangere Frau bedrohte, öffnete ihre Mutter die Akte / Chapter 3 / 6

Chapter 3 — Als der Klinikchef seine schwangere Frau bedrohte, öffnete ihre Mutter die Akte

4.9Editorial score

“Das ist eine Lüge”, sagte Julian.

Zu schnell.

Zu laut.

Nora berührte den Bildschirm ihres Tablets.

“Es gibt eine Aufnahme.”

Alle sahen sie an.

Sie erklärte, dass die Kliniktelefonsysteme dienstliche Gespräche aufzeichneten, sobald ein Arzt über die interne Notfallleitung anrief.

Die Dateien wurden nach dreißig Tagen automatisch gelöscht, blieben jedoch länger im unveränderbaren Sicherungsarchiv, das ich beim Aufbau der Klinik verlangt hatte.

Vor zwölf Tagen hatte Julian Chloe aus seinem Büro angerufen.

Er hatte dabei versehentlich die interne Leitung benutzt.

Nora startete die Datei.

Zuerst hörte man nur Atmen.

Dann Chloes Stimme, dünn und verängstigt.

“Ich möchte zu meiner Mutter.

Nur für ein paar Tage.”

Julian antwortete ruhig.

Fast gelangweilt.

“Du gehst nirgendwohin.

Denk an den Kaiserschnitt.

Eine Narkose ist keine exakte Wissenschaft.

Manche Frauen wachen eben nicht auf.”

Chloe sagte etwas, das kaum verständlich war.

Dann seine Stimme erneut:

“Und glaub nicht, dass das Kind bei Marianne landet.

Meine Anwälte werden dich als instabil darstellen.

Ein Bericht von mir genügt.”

Die Aufnahme endete.

Niemand sprach.

Julian stand reglos da.

Seine Hände hingen an den Seiten, doch die Finger bewegten sich, als suche er nach etwas, das er greifen und kontrollieren konnte.

Schließlich sagte er: “Das war aus dem Zusammenhang gerissen.”

Kommissarin Lindner wandte sich nun zu ihm.

“Sie werden Gelegenheit bekommen, das zu erklären.

Bis dahin bleiben Sie von Ihrer Frau getrennt.”

Ein Beamter bat Julian, sein Telefon und seinen Klinikausweis auszuhändigen.

Er verweigerte es zunächst.

Dann sah er, dass jeder weitere Widerstand vor Zeugen dokumentiert wurde, und legte beides langsam auf den Tisch.

In diesem Moment kam eine zweite Krankenschwester herein.

Sie hieß Mia und arbeitete im Nachtdienst.

Hinter ihr stand ein älterer Anästhesist, Dr.

Berger.

Beide wirkten nervös.

“Wir möchten ebenfalls Aussagen machen”, sagte Dr.

Berger.

Julian schloss kurz die Augen.

Die ersten Risse in seinem System waren nicht heute entstanden.

Sie waren nur heute sichtbar geworden.

Dr.

Berger berichtete, Julian habe ihn mehrfach gedrängt, bei prominenten Patientinnen ungewöhnliche Medikamentenkombinationen freizugeben.

Meist habe es harmlose Erklärungen gegeben.

Doch bei Chloe sei die Dosierung ohne medizinischen Grund verändert worden.

Als Berger sich weigerte, habe Julian ihm mit dem Verlust seiner OP-Zulassung gedroht.

Mia erzählte, sie habe Chloe vor zwei Wochen nachts im Krankenhausflur weinen sehen.

Julian habe sie am Oberarm gepackt und in einen leeren Beratungsraum gedrängt.

Als Mia helfen wollte, habe er behauptet, seine Frau habe eine Panikattacke.

Am nächsten Tag sei in Chloes Akte eine psychiatrische Notiz erschienen, die kein Psychiater unterschrieben hatte.