Der Faden bewegte sich stetig nach innen.
„Ich wusste, dass Luft durch den Berg zieht.
Ich wusste, dass der Stein die Kälte langsamer annimmt als deine Holzwände.
Und ich wusste, dass ein Mann, der nichts mehr hat, besser genau hinsieht.“
Conrad schwieg.
Ruth begann stärker zu zittern.
Micah nickte Miriam zu.
„Das ist gut.
Bleib bei ihr.“
Er verteilte den dünnen Maisbrei.
Jeder bekam nur wenige Löffel.
Conrad nahm seine Schale entgegen, sah die geringe Menge und verzog den Mund.
„Wir haben seit gestern nichts gegessen.“
„Wir auch nicht viel.“
„Meine Vorratskammer war voll.“
„Deine Vorratskammer liegt unter dem Dach deines Hauses.“
Der Satz traf Conrad sichtbar.
Er setzte sich auf einen Stein und aß.
Erst danach bemerkte Eli die Truhe.
„Das ist Mamas.“
Conrad legte sofort eine Hand auf den Deckel.
„Ich habe sie aus dem oberen Zimmer geholt, bevor der Dachbalken brach.“
„Warum?“, fragte Eli.
Conrad blickte auf den Jungen, fand jedoch keine Antwort.
Miriam antwortete für ihn.
„Weil es das Einzige war, was dein Onkel noch von seiner Schwester hatte.“
Eli betrachtete Conrad lange.
„Er hatte uns.“
In der Höhle wurde es still.
Conrad zog die Hand von der Truhe zurück.
Micah kniete sich davor und öffnete den Deckel.
Der vertraute Geruch von Zedernholz und Lavendel stieg ihm entgegen.
Oben lag Sarahs dicke Winterdecke.
Darunter ihr dunkles Sonntagskleid, ein Paar Handschuhe und die kleine Bibel, von der Micah geglaubt hatte, sie sei verloren.
Zwischen zwei gefalteten Tüchern lag ein versiegelter Umschlag.
Micahs Name stand auf der Vorderseite.
Darunter hatte Sarah geschrieben: „Erst öffnen, wenn Conrad die Wahrheit sagt.“
Miriam sah ihren Mann an.
Conrad wurde bleicher, als er es draußen im Schnee gewesen war.
„Was bedeutet das?“, fragte sie.
„Nichts.“
Micah drehte den Umschlag in der Hand.
Das Siegel war ungebrochen.
„Sarah schrieb nicht nichts auf Briefe.“
Conrad stand auf.
„Wir haben dringendere Probleme.
Der Eingang ist zu.
Wir müssen feststellen, ob es einen zweiten Ausgang gibt.“
Micah sah auf den Wollfaden.
„Es gibt irgendwo eine Öffnung.
Sonst hätten wir keinen Zug.“
„Dann such sie.“
„Ich suche, wenn Ruth warm ist, alle gegessen haben und niemand in Panik durch eine Spalte kriecht, die ihn zerquetschen kann.“
Conrad trat näher.
„Du erteilst mir keine Befehle.“ Da stellte sich Eli zwischen die beiden Männer.
Der Junge war klein, mager und trug noch immer den zu kurzen Mantel.