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Seine Familie lachte – bis Noras Livestream weiterlief / Chapter 2 / 6

Chapter 2 — Seine Familie lachte – bis Noras Livestream weiterlief

4.9Editorial score

Ihr Gesicht war kalkweiß.

„Ich habe nur herumgealbert“, sagte sie.

„Da ist nichts Wichtiges drauf.“

Der Beamte sah auf das Display.

Das rote Symbol war verschwunden, doch darunter stand eine Meldung, die Nora offenbar übersehen hatte.

Video gespeichert.

„Wo wurde die Aufnahme übertragen?“

Nora presste die Lippen zusammen.

„Nur in eine private Gruppe.“

„Welche Gruppe?“

„Freunde.“

„Wie viele?“

Sie antwortete nicht.

Alex sah mich an.

In seinen Augen lag eine Frage, aber er stellte sie nicht.

Er wusste, dass ich kaum atmen konnte.

Dann trafen die Sanitäter ein.

Einer von ihnen untersuchte meinen Oberschenkel.

Der andere legte einen Sensor an meinen Bauch.

Das Gerät gab schnelle, unregelmäßige Töne von sich.

Sein Gesicht veränderte sich.

„Wir bringen sie sofort in die Klinik.“

Victor machte einen Schritt nach vorn.

„Sie nimmt mein Kind nirgendwohin mit.“

Der erste Polizist stellte sich zwischen uns.

„Sie bleiben hier.“

„Ich bin der Vater.“

„Und im Moment sind Sie Beschuldigter in einem möglichen Gewaltdelikt.“

Helena begann zu weinen.

Es waren keine Tränen aus Sorge um mich.

Sie weinte, weil plötzlich Menschen im Raum standen, die sich nicht von ihrer Version der Wahrheit beeindrucken ließen.

„Unsere Familie wird zerstört“, jammerte sie.

Alex sah sie an.

„Nein.

Sie wird gerade sichtbar.“

Im Krankenwagen hielt ich seine Hand, während die Sanitäter meinen Blutdruck kontrollierten.

Ich wollte nach dem Baby fragen, aber meine Zunge fühlte sich schwer an.

„Bleib bei mir“, sagte Alex.

„Die Nachricht…“

„Sie ist angekommen.“

Das waren die letzten Worte, an die ich mich erinnerte, bevor die Türen des Krankenwagens sich schlossen.

Im Krankenhaus stellten die Ärzte fest, dass ich starke Prellungen, eine Platzwunde an der Lippe und Anzeichen vorzeitiger Wehen hatte.

Für mehrere Stunden wussten wir nicht, ob mein Körper die Belastung aushalten würde.

Ich lag an ein Überwachungsgerät angeschlossen und hörte den Herzschlag meines ungeborenen Kindes durch den Raum pochen.

Jeder Ton fühlte sich wie ein Versprechen an.

Alex saß neben meinem Bett.

Er hatte seit dem Morgen kaum gesprochen.

Erst als eine Ärztin bestätigte, dass sich der Zustand des Babys stabilisiert hatte, senkte er den Kopf und weinte.

Ich hatte meinen Bruder seit der Beerdigung unseres Vaters nicht mehr weinen sehen.

„Warum hast du mir nichts gesagt?“, fragte er leise.

Die Frage klang nicht wie ein Vorwurf.

Das machte sie schlimmer.

Ich sah zur Decke.

„Am Anfang waren es nur Worte.“

Victor hatte nach unserer Hochzeit nicht sofort zugeschlagen.

Zuerst hatte er mein Konto kontrolliert.