Für einen Moment war es vollkommen still.
Selbst Lauren drehte langsam den Kopf zu ihr.
Meine Mutter hatte sich verraten, ohne es zu bemerken.
Sie wusste, dass ich nur das Fahrrad hatte.
Sie wusste, dass ich mit Noah in die Kälte gegangen war.
Und sie hatte mich trotzdem gehen lassen.
Mein Großvater sah sie lange an.
„Du wusstest es.“
„Ich wusste, dass sie einkaufen wollte.“
„Du wusstest, dass sie kein Auto hatte.“
„Lauren brauchte den Wagen für die Arbeit.“
„Lauren hatte heute frei“, sagte ich.
Meine Schwester schlug mit der Hand auf den Tisch.
„Es reicht! Ihr tut so, als hätte ich ihr Leben zerstört.
Es ist nur ein Auto.“
Dr.
Weber zog einen Fahrzeugbrief aus dem Ordner.
„Dann dürfte es Ihnen leichtfallen, die Schlüssel zurückzugeben.“
Lauren lachte kurz auf.
„Der Wagen läuft auf mich.“
„Nein“, sagte die Anwältin.
„Der Wagen ist auf Madison zugelassen.
Sie haben lediglich mit der gefälschten Vollmacht Ersatzschlüssel und neue Versicherungsunterlagen beantragt.“
Laurens Gesicht verlor jede Farbe.
Sie griff nach den Schlüsseln, die vor ihr auf dem Tisch lagen.
Mein Großvater war schneller.
Er legte seine Hand darauf.
„Die bleiben hier.“
„Du kannst mir nicht einfach mein Auto wegnehmen.“
„Es war nie dein Auto.“
Lauren sah zu meiner Mutter, aber diesmal kam keine Hilfe.
Dr.
Webers Telefon klingelte.
Sie nahm den Anruf an, hörte schweigend zu und stellte nur zwei Fragen.
Dann legte sie auf.
„Die Bank hat Videoaufnahmen aus der Filiale gesichert“, sagte sie.
Meine Mutter wurde kreidebleich.
„Welche Aufnahmen?“
„Von dem Tag, an dem die Vollmacht eingereicht wurde.“
Im selben Moment öffnete sich auf dem Flur die Haustür.
Zwei Männer traten ein.
Einer trug einen dunklen Mantel und stellte sich als Kriminalhauptkommissar Reuter vor.
Der andere war ein Mitarbeiter der Bankabteilung für Betrugsfälle.
Meine Mutter fuhr hoch.
„Du hast die Polizei gerufen?“
Mein Großvater antwortete ruhig: „Nein.
Die Bank hat nach der ersten Prüfung Anzeige erstattet.“
Der Bankmitarbeiter stellte einen versiegelten Umschlag vor Dr.
Weber auf den Tisch.
Darin befanden sich Ausdrucke der Videoaufnahmen und die Protokolle der Transaktionen.
Auf dem ersten Bild war meine Mutter zu sehen.
Sie stand am Schalter, trug ihren beigen Mantel und hielt die gefälschte Vollmacht in der Hand.
Auf dem zweiten Bild erschien Lauren neben ihr.
Sie hielt meine Bankkarte.
Mir wurde kalt, obwohl der Kamin brannte.
„Ihr wart zusammen dort“, sagte ich.