Adrian Keller drückte auf die Wiedergabetaste.
Aus dem kleinen Lautsprecher auf dem Empfangstresen kam zunächst nur ein Rauschen.
Dann hörte man eine Frauenstimme, hell, sicher und beinahe gelangweilt.
“Ja, hier ist Kate Summers.
Ich bin die Vertragsinhaberin der Gruppenreservierung.”
Lila stand keine zwei Meter von mir entfernt.
Ihre Lippen öffneten sich, aber kein Wort kam heraus.
Die Stimme auf der Aufnahme fuhr fort.
“Bitte geben Sie die verfügbaren Suiten an meine Tante, meine Mutter und meine Cousins.
Für mich reicht das kleinste Zimmer.
Ich bin sowieso kaum da.”
Meine Tante Marcy griff nach Lilas Unterarm.
Nicht tröstend.
Warnend.
Adrian hob einen Finger, ohne den Blick vom Display zu nehmen.
“Die Aufnahme ist noch nicht beendet.”
Ein Mitarbeiter am anderen Ende des aufgezeichneten Gesprächs fragte: “Frau Summers, möchten Sie auch die Resortguthaben auf die anderen Zimmer verteilen? Dafür benötigen wir Ihre ausdrückliche Zustimmung.”
Lila lachte auf der Aufnahme.
“Natürlich.
Sie kontrolliert ihre Kreditkartenabrechnung sowieso nie.
Geben Sie ihnen das Spa, die Restaurants und den Helikopterflug.
Schreiben Sie einfach, dass ich es genehmigt habe.”
Das Lachen endete.
In der Lobby war nur noch das leise Klavier aus der Bar zu hören.
Meine Mutter presste beide Hände vor den Mund.
Mein Cousin Ben starrte Lila an, als sähe er sie zum ersten Mal.
Tante Marcy hielt ihren Arm jetzt so fest, dass ihre Fingerknöchel weiß wurden.
Lila fand ihre Stimme wieder.
“Das ist aus dem Zusammenhang gerissen.”
Adrian stoppte die Aufnahme.
“Welcher Zusammenhang würde erklären, warum Sie sich als Frau Summers ausgegeben haben?”
“Ich habe nur geholfen.
Kate hatte gesagt, dass ihr das Zimmer egal ist.”
“Sie haben behauptet, Kate Summers zu sein.”
“Weil sonst niemand mit mir gesprochen hätte.”
“Genau das ist der Zweck einer Vollmacht”, sagte Adrian.
“Und Sie hatten keine.”
Lila wandte sich zu mir.
Ihre Augen wurden hart.
“Sag doch etwas.
Du weißt, dass ich niemandem schaden wollte.”
Ich sah sie an, dann auf die schwarzen Schlüsselkarten, die über den Marmortresen verteilt lagen.
“Du hast nicht nur Zimmer geändert.
Du hast meinen Namen benutzt.”
“Es war eine Familienreise.”
“Die ich bezahlt habe.”
“Weil du es kannst!”
Ihre Stimme hallte durch die Lobby.
Mehrere Gäste drehten sich um.
Ein Page blieb neben einem Kofferwagen stehen.
Die Empfangsmitarbeiterin senkte den Blick auf ihren Bildschirm.
Tante Marcy trat vor.
“Können wir das bitte diskret regeln? Wir sind gerade angekommen.
Alle sind erschöpft.”
Adrian zog ein zweites Blatt aus der schmalen Mappe, die er mitgebracht hatte.
“Leider betrifft die Angelegenheit nicht nur die Zimmer.”