“Dann ändern wir heute noch die Zugangscodes und lassen ihm seine persönlichen Sachen dokumentiert übergeben.
Nicht allein.
Mit Zeugen.”
Am selben Nachmittag fuhr ich mit Hannah, meiner Mutter und zwei Polizeibeamten zur Wohnung.
Ryan war nicht dort.
Diane hingegen schon.
Sie saß auf meinem Sofa, auf demselben Platz wie zwei Wochen zuvor.
Neben ihr stand ein Koffer.
Das alte Brautkleid lag erneut über der Rückenlehne, als hätte sie es absichtlich dort ausgebreitet.
“Du hast kein Recht, hier reinzukommen”, sagte ich.
Diane hielt den Ersatzschlüssel hoch.
“Mein Sohn wohnt hier.”
Einer der Beamten trat vor.
“Der Mietvertrag läuft ausschließlich auf Frau Carter.
Sie wurden aufgefordert, die Wohnung zu verlassen.”
Diane stand auf.
Ihr Blick blieb an meiner Wange hängen, wo der Bluterguss trotz Make-up noch sichtbar war.
“Du spielst das Opfer sehr überzeugend”, sagte sie.
Hannah hob sofort ihr Handy.
Diane bemerkte es und verstummte.
Wir packten Ryans Kleidung, seine Schuhe, seine Spielekonsole und die wenigen Möbelstücke, die nachweislich ihm gehörten.
Meine Mutter führte eine Liste.
Einer der Beamten fotografierte jeden Karton.
Diane lief hinter uns her und kommentierte alles.
“Die Kaffeemaschine hat Ryan bezahlt.”
“Nein”, sagte ich.
“Meine Mutter hat sie mir zum Geburtstag geschenkt.”
“Der Fernseher gehört ihm.”
Hannah zeigte die Rechnung auf meinem Kundenkonto.
“Der Esstisch war meine Idee.”
“Eine Idee ist kein Eigentumsnachweis”, sagte der Beamte trocken.
Zum ersten Mal sah ich, wie wenig Macht Diane besaß, sobald jemand Belege verlangte.
Am Ende stand sie im Flur zwischen sechs Kartons und dem vergilbten Brautkleid.
“Er wird dir nie verzeihen”, sagte sie.
Ich wechselte den Türcode vor ihren Augen.
“Das muss er auch nicht.”
Am folgenden Morgen bekam ich eine Nachricht von der Ermittlerin.
Ryan war zu einer weiteren Aussage erschienen.
Diesmal hatte er eingeräumt, mich geschlagen zu haben.
Er behauptete jedoch, es sei eine reflexartige Reaktion gewesen, weil ich ihn provoziert hätte.
Hannahs Video zeigte etwas anderes.
Ryan hatte das Kleid vor mich gehalten.
Er hatte mir ein Ultimatum gestellt.
Ich hatte Nein gesagt.
Danach hatte er seine Hand gehoben, kurz gezögert und zugeschlagen.
Kein Reflex.
Eine Entscheidung.
Noch belastender war das Material der Hotelkamera.
Es gab keinen Ton im Brautzimmer, aber die Kamera im Flur hatte Audio aufgenommen.
Darauf war zu hören, wie Diane wenige Minuten vorher mit Ryan sprach.
“Sie wird nachgeben”, sagte sie.
“Du darfst jetzt nicht weich werden.
Wenn sie heute ihren Willen bekommt, bestimmt sie für den Rest eures Lebens.”
Ryan antwortete: “Und wenn sie geht?”
Diane lachte.
“Sie geht nicht.