„Nein.“
„Worum ging es bei dem Streit?“
Die Tante schloss kurz die Augen.
„Evelyn sagte, Laura könne keine Kinder bekommen und sei deshalb nutzlos.
Sie sagte, Daniel müsse sich irgendwann eine richtige Frau suchen.“
Ich hörte ein leises Murmeln im Saal.
Der Richter fragte: „Wie reagierte Herr Berger?“
„Er sagte nichts.
Laura lachte einmal.
Dann behauptete Evelyn, sie sei angegriffen worden.“
„Und danach schlug Herr Berger seine Ehefrau?“
„Ja.“
Als die Tante den Zeugenstand verließ, sah Evelyn sie an, als hätte sie einen Verrat begangen.
Dabei hatte sie lediglich die Wahrheit gesagt.
Miriam rief den nächsten Zeugen auf: den Finanzvorstand meiner Holding, Herrn Stein.
Er erklärte, dass Daniels Unternehmen über drei Jahre insgesamt 2,4 Millionen Euro erhalten hatte.
Ein Teil war für betriebliche Investitionen bestimmt gewesen.
Ein anderer Teil diente dazu, laufende Rechnungen zu bezahlen, nachdem Daniel mehrere riskante Projekte begonnen hatte.
„Waren diese Zahlungen Geschenke?“, fragte Miriam.
„Nein.
Es waren Darlehen mit klaren Rückzahlungsbedingungen.“
„Hat Herr Berger Rückzahlungen geleistet?“
„Nur in den ersten vier Monaten.
Danach wurden die Raten wiederholt gestundet.“
„Wer genehmigte diese Stundungen?“
Herr Stein sah zu mir.
„Frau Berger.“
„Warum?“
„Sie wollte die Arbeitsplätze im Unternehmen ihres Mannes schützen.“
Daniel stieß ein bitteres Lachen aus.
„Sie wollte mich kontrollieren.“
Der Richter sah ihn scharf an.
„Noch eine Unterbrechung, und ich lasse Sie aus dem Saal entfernen.“
Herr Stein fuhr fort.
Die monatlichen 10.000 Euro für Evelyn waren offiziell als Teil von Daniels Geschäftsführerbezügen verbucht worden.
Tatsächlich konnte sein Unternehmen diese Summe seit fast zwei Jahren nicht mehr tragen.
Meine Holding hatte deshalb jeden Monat Geld überwiesen, damit Gehälter, Versicherungen und Evelyns Unterhalt weiterbezahlt werden konnten.
„Wusste Frau Evelyn Berger davon?“, fragte Miriam.
„Ich habe ihr keine Unterlagen geschickt.
Aber ihre Kreditkarte lief über ein Unterkonto, dessen Abrechnungen den Namen der Falkenberg Holding trugen.“
Evelyn riss die Augen auf.
„Ich lese doch keine Abrechnungen.“
„Das glaube ich Ihnen“, sagte Herr Stein trocken.
Einige Menschen im Saal unterdrückten ein Lächeln.
Der Richter fragte, was nach dem Stopp der Zahlungen geschehen sei.
Herr Stein erklärte, Daniels Firma habe innerhalb von vierundzwanzig Stunden mehrere Lastschriften nicht bedienen können.
Die Bank habe daraufhin die gefälschte Bürgschaft vorgelegt.
Genau dadurch sei der Verdacht endgültig bestätigt worden.
Daniel hatte versucht, seine Firma mit meinem Namen zu retten.
Als er merkte, dass ich die Zahlungen gestoppt hatte, hatte er mich nicht um ein Gespräch gebeten.
Er hatte mich bedroht.
Miriam legte die Nachrichten auf den Tisch.
„Mach diesen Unsinn rückgängig.“ „Du wirst weiterzahlen.“ „Ohne mich bist du nichts.“ „Ich sorge dafür, dass niemand dir glaubt.“
Dann kam die Nachricht, die Daniel zwei Tage später an seinen Cousin geschickt hatte.
„Lösch das Video aus der Halle.
Mutter sagt, du hast gefilmt.“