Elijah machte einen Schritt auf sie zu.
Daniel stellte sich sofort dazwischen.
„Genug“, sagte der Personalchef.
„Sie arbeiten für mich“, fauchte Elijah.
„Ich arbeite für das Unternehmen und bin dem Aufsichtsrat verpflichtet.“
Dieser Satz veränderte die Atmosphäre erneut.
Elijah war Geschäftsführer, aber nicht alleiniger Eigentümer.
Wescott Industries war vor zwei Jahren nach einer großen Finanzierungsrunde umstrukturiert worden.
Der Aufsichtsrat hatte ihm weitreichende Vollmachten gegeben, doch diese Vollmachten waren an klare Verhaltensregeln gebunden.
Regeln, deren Einhaltung Rachel selbst für zahlreiche Vorstandssitzungen dokumentiert hatte.
Daniel nahm ein weiteres Schreiben aus der Mappe.
„Der Vorsitzende des Aufsichtsrats wurde heute Nachmittag informiert.
Bis zum Abschluss der Untersuchung werden Ihre repräsentativen Aufgaben ausgesetzt.“
Elijahs Lippen bewegten sich, aber zunächst kam kein Ton heraus.
„Sie suspendieren mich während meiner eigenen Spendengala?“
„Das ist nicht Ihre Gala“, sagte Helena.
„Sie sind Sponsor.
Sie sind nicht der Mittelpunkt.“
Rachel sah, wie dieser Satz ihn traf.
Elijah hatte jeden Raum betreten, als gehöre er ihm.
Er kannte Kellnernamen nicht, unterbrach Assistenten mitten im Satz und sprach von Teamleistungen, wenn Rachel die Nacht durchgearbeitet hatte.
Jetzt stand er in einem Saal voller Menschen, die sich zum ersten Mal nicht nach seiner Stimmung richteten.
Er wandte sich wieder Rachel zu.
„Was wollen Sie?“
Die Frage klang wie eine Anschuldigung.
Rachel dachte an die vergangenen drei Jahre.
An Wochenenden, an denen sie Verträge korrigiert hatte, während Elijah auf Segelbooten fotografiert worden war.
An Geburtstage, die sie verschoben hatte, weil er seine Termine vergessen hatte.
An Präsentationen, deren Fehler sie behoben hatte, bevor jemand bemerkte, dass er selbst sie verursacht hatte.
Lange hatte sie geglaubt, dass gute Arbeit irgendwann von allein sichtbar würde.
Doch gute Arbeit wurde oft nur dann sichtbar, wenn die Person, die sie leistete, aufhörte, sie still zu verschenken.
„Ich wollte, dass Sie verstehen, was Sie getan haben“, sagte sie.
„Aber inzwischen glaube ich nicht mehr, dass Verstehen etwas ist, das man einem Menschen aufzwingen kann.“
Elijahs Blick wurde schmal.
„Dann wollen Sie Geld.“
„Nein.“
„Eine Beförderung?“
„Nein.“
„Was dann?“
Rachel öffnete ihre kleine Abendtasche und zog einen weißen Umschlag heraus.
„Meine Kündigung.“
Elijah starrte ihn an.
Zum ersten Mal an diesem Abend wirkte er nicht wütend, sondern ehrlich erschrocken.
„Das ist lächerlich.“
„Sie haben immer gesagt, ich sei unersetzlich.“
„Das sind Sie auch.“
„Dann hätten Sie mich nicht wie Dekoration behandeln sollen.“
Er nahm den Umschlag nicht.
„Rachel, denken Sie nach.
Sie verdienen bei mir mehr als fast jede Assistentin in dieser Stadt.“
„Weil ich die Arbeit von drei Personen erledige.“
„Und ich habe Sie dafür bezahlt.“
„Sie haben mich bezahlt, damit ich funktioniere.
Respekt war offenbar nicht im Budget.“
Moren lächelte zum ersten Mal an diesem Abend.
Elijah sah sich erneut um.