Sie blieb stehen.
„Ist das eine Drohung?“
„Eine rechtliche Mitteilung.“
„Claire wird das niemals durchziehen.“
Ich schloss den Ordner.
„Doch.“
Vanessa sah zu Daniel, offenbar in der Erwartung, dass er sie verteidigen würde.
Aber Daniel starrte nur auf seine eigene Unterschrift unter der Eigentumsvereinbarung.
Sie verließ das Haus, ohne sich von ihren Kindern zu verabschieden.
Die Haustür fiel ins Schloss.
Lily begann zu weinen.
Nicht laut.
Sie presste eine Hand gegen den Mund und versuchte, es zu verbergen.
Früher wäre ich sofort zu ihr gegangen.
Ich hätte sie umarmt, Wasser gebracht und ihr versichert, dass alles gut würde.
Diesmal blieb ich sitzen.
Nicht aus Grausamkeit.
Weil ich endlich verstand, dass Trost ohne Wahrheit nur ein weiteres Pflaster auf einer offenen Wunde gewesen wäre.
„Wird mein Studienplatz wirklich gestrichen?“, fragte sie.
„Die nächste Rate ist in drei Wochen fällig.“
„Kannst du sie noch einmal zahlen?“
Daniel sah mich erwartungsvoll an.
Ich schüttelte den Kopf.
„Nein.“
Lily wischte sich über die Wange.
„Weil ich das gesagt habe?“
„Weil du zwanzig bist und das Programm deine Verantwortung ist.
Ich habe dir zwei Jahre bezahlt.
Du kannst mit der Schule über Raten sprechen, einen Kredit beantragen oder dir Arbeit suchen.“
„Ich dachte, das Geld wäre von Dad.“
„Jetzt weißt du es besser.“
Sie nickte langsam.
Die Antwort gefiel ihr nicht, aber sie akzeptierte sie.
Ethan zog sein Telefon hervor.
„Meine Versicherung läuft morgen aus.“
„Dann solltest du heute noch eine neue abschließen.“
„Sie wird viel teurer.“
„Das stimmt.“
Er steckte das Telefon wieder ein.
„Ich habe dich benutzt.“
Ich antwortete nicht sofort.
„Ja“, sagte ich schließlich.
„Das hast du.“
Sein Gesicht verzog sich, als hätte er mit einem milderen Satz gerechnet.
„Es tut mir leid.“
„Das glaube ich dir vielleicht irgendwann.“
„Was soll das heißen?“
„Dass eine Entschuldigung ein Anfang ist.
Kein Beweis.“
Ethan nickte.
Daniel legte die Trennungsvereinbarung auf den Tisch.
„Und was ist mit mir?“
„Du bekommst alle Unterlagen von Martin.“
„Ich rede nicht von den Unterlagen.“ Ich stand auf und nahm den grauen Ordner an mich.
„Dann hättest du früher reden sollen.“
Ich verließ das Haus zum zweiten Mal.