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Die gefälschte Akte, die Nathan seine Tochter kosten sollte / Chapter 4 / 6

Chapter 4 — Die gefälschte Akte, die Nathan seine Tochter kosten sollte

4.9Editorial score

Ihre Fassung zerbrach sichtbar.

„Eleanor, sag ihnen, dass ich nur getan habe, worum du mich gebeten hast.“

Eleanor sah sie mit derselben Kälte an, mit der sie einst Grace betrachtet hatte.

„Du warst freiwillig dort.“

„Du hast gesagt, die Ehe sei vorbei, wenn Emma seine Tochter ist.“

„War sie das nicht ohnehin?“, fragte Nathan.

Vanessa sah ihn an, und für einen Moment schien sie wirklich verletzt.

Doch selbst dieser Schmerz verwandelte sich sofort in Angriff.

„Du hast mich nie geliebt“, sagte sie.

„Nein“, antwortete Nathan.

„Aber ich habe dir versprochen, dich zu respektieren.

Du hast einem Kind die Wahrheit über seinen Vater genommen.“

„Deine Mutter wollte ihren Konzern schützen.“

„Und du wolltest meinen Namen behalten.“

Vanessa öffnete den Mund, doch die Ermittler baten sie, ihre Tasche auf den Tisch zu legen.

Darin fanden sie ein zweites Mobiltelefon.

Auf dem Gerät waren Nachrichten zwischen ihr, Eleanor und dem Arzt gespeichert.

Vanessa hatte geglaubt, die verschlüsselte Anwendung lösche alle Inhalte.

Die Sicherheitsabteilung hatte jedoch bereits eine Sicherungskopie aus dem Kliniknetzwerk erhalten.

Eine Nachricht stammte vom Abend des Probenwechsels.

Eleanor: Wenn der Test negativ ist, wird Grace verschwinden.

Vanessa: Und falls sie die Aktien findet?

Eleanor: Dann sorgen wir dafür, dass niemand ihr glaubt.

Grace las die Worte über die Schulter des Ermittlers.

Sie fühlte keine Genugtuung.

Nur Erschöpfung.

Im Nebenraum bewegte sich Emma im Schlaf und murmelte leise.

Grace ging sofort zu ihr.

Nathan blieb an der Tür stehen.

Er wollte folgen, hielt sich aber zurück.

Zum ersten Mal verstand er, dass seine biologische Vaterschaft ihm kein Recht gab, Grenzen zu ignorieren.

Grace setzte sich neben das Bett und strich Emma eine Locke aus der Stirn.

Nach einigen Sekunden öffnete das Kind die Augen.

„Mommy?“

„Ich bin hier.“

Emma bemerkte Nathan im Türrahmen.

„Der Mann mit meinen Augen.“

Grace schloss kurz die Augen.

Nathan kniete sich in sicherem Abstand zum Bett.

„Ja“, sagte er.

„Ich heiße Nathan.“

Emma musterte ihn ernst.

„Bist du krank?“

„Nein.“ Seine Stimme zitterte.

„Aber ich habe sehr viele Fehler gemacht.“

„Musst du dann Medizin nehmen?“

Grace musste trotz allem lachen.

Es war ein leises, erschöpftes Geräusch.

Nathan lächelte unter Tränen.

„Ich glaube, meine Medizin heißt Ehrlichkeit.“

Emma dachte darüber nach und streckte ihm schließlich ihre kleine Hand entgegen.

Nicht, weil sie wusste, dass er ihr Vater war.

Nur weil sie ein Kind war, das einen traurigen Erwachsenen trösten wollte.

Nathan nahm ihre Finger vorsichtig, als hielte er etwas Kostbareres als alles, was er je besessen hatte.

Die folgenden Wochen verliefen nicht wie in den Schlagzeilen, die bald erschienen.

Dort war von einem Familienskandal, gestohlenen Firmenanteilen und manipulierten DNA-Proben die Rede.