Und wir brauchten einen Moment, in dem er nicht mehr entscheiden konnte, wer mit mir sprach.
Diesen Moment hatte Dr.
Reed geschaffen, als er die Polizei rief.
Das war der letzte Teil des Plans gewesen.
Nicht, dass Grant mich bis zur Bewusstlosigkeit schlagen würde.
Das hatte ich weder vorausgesehen noch gewollt.
Aber Mara und Helena wussten, dass ich bei jeder medizinischen Behandlung ein bestimmtes Wort nennen sollte.
Die Staatsanwaltschaft hatte die Unterlagen bereits geprüft.
Sobald eine unabhängige Meldung einging, konnten die vorbereiteten Anträge aktiviert werden.
Grant hatte mich selbst an den einzigen Ort gebracht, an dem seine Kontrolle endete.
Sein Telefon vibrierte.
Auf dem Display stand der Name seines Finanzchefs, Daniel Kranz.
Mara nahm das Gerät vom Tisch und aktivierte den Lautsprecher.
„Grant?“ Daniels Stimme überschlug sich.
„Im Büro sind Ermittler.
Sie haben die Server abgeschaltet.
Der Tresor ist offen und die Sicherungsplatten sind weg.“
Grant sagte nichts.
„Daniel Kranz“, sagte Mara, „hier spricht Ermittlerin Voss.
Wo befinden Sie sich?“
Am anderen Ende herrschte Stille.
Dann wurde die Verbindung getrennt.
Mara sah einen der Beamten an.
„Ortung veranlassen.
Und die Tiefgarage sichern.“
Grant stand erneut auf.
Diesmal hielt ihn der Beamte an der Schulter fest.
„Ich brauche meinen Anwalt.“
„Das dürfen Sie“, sagte Mara.
„Und sie darf gar nichts sagen.“ Er zeigte auf mich.
„Sie steht unter starken Medikamenten.
Sie ist verwirrt.
Fragen Sie irgendeinen unserer Freunde.“
Genau darauf hatte er sich vorbereitet.
In den vergangenen Monaten hatte Grant bei Abendessen beiläufig erwähnt, ich sei vergesslich.
Bei einer Stiftungsgala erzählte er, ich leide unter Angstzuständen.
Einer Nachbarin sagte er, ich hätte nach dem Tod meiner Mutter Schwierigkeiten, Realität und Erinnerung auseinanderzuhalten.
Damals hatte ich geschwiegen, weil jede öffentliche Korrektur später bestraft worden wäre.
Nun zog Mara eine Audioaufnahme auf ihrem Telefon auf.
Grants Stimme erfüllte das Krankenzimmer.
„Du musst niemanden überzeugen, dass du verrückt bist“, sagte er in der Aufnahme.
„Das habe ich längst für dich erledigt.“
Danach war ein dumpfer Schlag zu hören.
Dann mein Atem.
Grant starrte auf das Telefon, als hätte es ihn verraten.
„Das ist zusammengeschnitten.“
„Die Originaldatei liegt mit Metadaten auf Ihrem eigenen Gerät“, erklärte Mara.
„Unsere IT-Abteilung wird das prüfen.“
Dr.
Reed dokumentierte meine Verletzungen noch in derselben Nacht.
Jede Verfärbung wurde fotografiert, vermessen und einem möglichen Entstehungszeitraum zugeordnet.
Eine frühere Rippenfraktur war falsch verheilt.
An meinem linken Handgelenk fand sich eine alte Verletzung, die nie behandelt worden war.
Grant wurde zunächst wegen des Verdachts auf schwere Körperverletzung und Freiheitsberaubung festgenommen.
Als die Beamten ihm Handschellen anlegten, veränderte sich sein Gesicht.
Die gepflegte Maske verschwand.