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Das gestohlene Handy enthielt das letzte Video ihrer Schwester / Chapter 2 / 5

Chapter 2 — Das gestohlene Handy enthielt das letzte Video ihrer Schwester

4.9Editorial score

Julia hielt sie fest, obwohl ihre eigenen Hände zitterten.

„Du hast nichts falsch gemacht“, flüsterte sie.

Leni hob den Kopf.

„Aber ich habe Papas Handy genommen.“

„Du hast die Wahrheit gebracht.“

Während Daniel in einen Nebenraum geführt wurde, rief Markus die Vermisstenstelle an.

Innerhalb weniger Minuten kamen zwei Ermittlerinnen in die Wache.

Eine von ihnen, Kriminalhauptkommissarin Eva Stein, kannte Neles Akte.

Sie hatte Julia bereits zweimal befragt und war bei jedem Gespräch auf dieselbe Wand gestoßen: Daniel.

Er hatte erklärt, Nele sei impulsiv.

Er hatte Kontoauszüge vorgelegt, die angeblich bewiesen, dass sie vor ihrem Verschwinden Geld abgehoben hatte.

Er hatte sogar eine Nachricht gezeigt, in der Nele schrieb, sie müsse für eine Weile weg.

Nun lag das Telefon vor Eva Stein.

„Woher hatte Ihre Tochter den Schlüssel für die Garage?“, fragte sie Julia.

„Daniel ließ ihn manchmal auf der Küchenablage liegen“, sagte Julia.

„Ich wusste nicht, dass damit eine Schublade geöffnet werden konnte.“

Leni zog am Ärmel ihrer Mutter.

„Papa hat geschlafen“, sagte sie.

„Ich wollte meinen Ball holen.

Dann habe ich den schwarzen Schlüssel gesehen.“

Eva ging ebenfalls in die Hocke, hielt aber genügend Abstand.

„Und danach hast du das Handy gefunden?“

Leni nickte.

„Es hat geleuchtet.

Papa war drauf.

Und Tante Nele.“

„Weißt du noch, ob du etwas anderes gesehen hast?“

Das Kind dachte lange nach.

„Ein rotes Haus.“

Julia hielt den Atem an.

„Was für ein rotes Haus?“

„Da fährt der laute Zug vorbei.

Papa war mit mir einmal da.

Er hat gesagt, ich darf Mama nichts sagen.“

Julia schloss die Augen.

Daniel besaß offiziell kein Haus.

Doch seine Firma hatte vor zwei Jahren über eine Tochtergesellschaft ein altes Jagdhaus gekauft.

Julia hatte den Vertrag zufällig gesehen.

Als sie danach fragte, hatte Daniel behauptet, das Gebäude sei längst verkauft worden.

Es lag am Rand eines Waldgebiets, keine zweihundert Meter von einer Güterzugstrecke entfernt.

Das Dach war dunkelrot.

Eva Stein ließ sich die Adresse geben und alarmierte sofort ein Einsatzteam.

Gleichzeitig wurde das Telefon in eine Schutzbox gelegt und an die digitale Forensik übergeben.

Niemand wollte riskieren, dass Daniel aus der Ferne Daten löschte.

Doch das Gerät war nicht gesperrt.

Leni hatte es mit Daniels Gesicht entsperrt, während er auf dem Sofa schlief.

Danach hatte sie offenbar wahllos auf die Galerie gedrückt und das Video gefunden.

Auf dem Telefon lagen siebzehn weitere Dateien.

Die zweite Aufnahme begann mit Dunkelheit.

Nele flüsterte so leise, dass alle näher an den Lautsprecher treten mussten.

„Das rote Haus liegt direkt an den Gleisen“, sagte sie.

„Daniel glaubt, ich hätte den echten Vertrag nicht mehr.

Er irrt sich.

Ich habe ihn dort versteckt, wo Julia früher unsere Briefe aufbewahrt hat.“

Julia wusste sofort, welchen Ort sie meinte.

Als Kinder hatten sie in der Wohnung ihrer Großmutter eine lose Bodendiele unter dem alten Sekretär entdeckt.