Die beiden Sicherheitsmitarbeiter blieben schweigend neben der Verandatür stehen, während mein Vater die rote Mappe vollständig öffnete.
Im Festsaal war die Musik verstummt.
Hinter den Glasscheiben standen die Gäste dicht beieinander.
Niemand hob mehr ein Champagnerglas.
Niemand tat so, als hätte er nichts gehört.
Ryan blickte von der Urkunde zu meinem Vater.
Sein selbstsicheres Lächeln war verschwunden.
“Was soll das heißen?”, fragte er.
“Was hast du aus meinen Verträgen gestrichen?”
Mein Vater zog einen Stapel Dokumente aus der Mappe und legte ihn neben das Ablaufblatt, auf dem Emmas Name durchgestrichen war.
“Die Nutzung des Lindenhofs”, sagte er.
“Die Zahlungen an den Caterer.
Die Band.
Die Floristin.
Die Zimmer für die Gäste.
Und die Freigabe für die Trauung auf dem Grundstück.”
Madison stellte ihr Glas so hastig auf den Tisch, dass Champagner über den Rand schwappte.
“Das kannst du nicht machen”, sagte sie.
“Die Hochzeit ist übermorgen.”
“Genau deshalb bin ich heute gekommen.”
Meine Mutter trat vor.
Ihr Gesicht war angespannt, doch ihre Stimme klang noch immer wie die einer Frau, die erwartete, dass jeder Raum sich nach ihrem Willen ordnete.
“Der Lindenhof ist Familienbesitz”, sagte sie.
“Du hast Ryan versprochen, dass er hier heiraten darf.”
Mein Vater tippte mit einem Finger auf die Urkunde.
“Der Lindenhof gehört seit dem Tod meiner Tante ausschließlich mir.
Du besitzt weder einen Anteil noch eine Vollmacht.
Und ich habe Ryan nie versprochen, dass er hier unter allen Umständen heiraten darf.
Ich habe ihm angeboten, diesen Ort als Geschenk zu nutzen, solange unsere Familie dabei mit Respekt behandelt wird.”
Ryan schnaubte.
“Wegen eines Blumenmädchens willst du meine Hochzeit ruinieren?”
Neben mir zog jemand scharf die Luft ein.
Mein Vater sah ihn lange an.
“Nein.
Wegen der Art, wie du über ein sechsjähriges Kind sprichst, nachdem du es vier Monate lang glauben ließest, es sei ein wichtiger Teil deines Tages.”
Ryan wandte sich an mich.
“Du hast Dad angerufen, oder? Du konntest es einfach nicht ertragen, dass heute nicht alles um dich geht.”
Ich antwortete nicht sofort.
Genau das erwartete er: Tränen, Rechtfertigungen, vielleicht einen Streit, den er später als Beweis für meine angebliche Eifersucht benutzen konnte.
Stattdessen legte ich die kleinen Gänseblümchen-Haarspangen auf den Tisch.
“Ich habe niemanden angerufen”, sagte ich.
“Ich habe Emma erklärt, dass sie nicht gut genug für eure Fotos sei.
Danach hat Dad mir geschrieben.”
Die Hochzeitsplanerin, eine ruhige Frau namens Clara, trat einen Schritt vor.
Sie hielt ihr Tablet so fest, dass ihre Fingerknöchel weiß wurden.
“Ich habe Herrn Berger kontaktiert”, sagte sie.
Meine Mutter fuhr zu ihr herum.
“Sie hatten kein Recht dazu.”
“Doch.
Er ist der Eigentümer und Hauptvertragspartner.
Heute Nachmittag erhielt ich von Ihnen eine angeblich von ihm unterschriebene Änderungsvollmacht.
Die Unterschrift stimmte nicht mit den Originalunterlagen überein.”
Der Anwalt meines Vaters öffnete seine Ledertasche und nahm eine transparente Hülle heraus.
Darin lag ein Dokument mit dem Briefkopf des Anwesens.
“Diese Vollmacht wurde um 14.07 Uhr per E-Mail übermittelt”, erklärte er.
“Herr Berger hat sie weder ausgestellt noch unterschrieben.”